Reload Festival 2026 – Sulingen – 13.-15.08.2026
Wasser Marsch in der großen Staubwolke
Nach dem bereits ziemlich intensiven Donnerstag ging es am Freitag beim Reload Festival 2026 ohne große Verschnaufpause weiter. Und wer dachte, dass zumindest das Wetter ein wenig Erholung bringen würde, wurde enttäuscht. Die Sonne brannte schon am Vormittag auf das Festivalgelände und Schatten war teilweise ein rares Gut. Musikalisch wartete dafür ein ziemlich abwechslungsreicher Tag: brutaler Deathcore am Vormittag, eine Zeitreise in die frühen 2000er, Piraten-Metal und australischer Rock ’n’ Roll, bevor am Abend mit Judas Priest echte Metal-Geschichte auf der Bühne stand.
Die Security bekam ebenfalls keine Pause. Bei jedem Konzert mussten sie Unmengen von Crowdsurfern von der Menge holen und taten das immer mit einem Lachen auf dem Gesicht. Teilweise wurde sogar im Security-Graben getanzt. Und dazwischen wurde per Wasserschlauch immer wieder die Menge vor der Bühne berieselt. Die Staubwolken wurden zwangsläufig trotzdem aufgewirbelt, aber die Erfrischung nahmen alle gerne an.
Signs of the Swarm: Deathcore zum Frühstück
Den musikalischen Start machten für uns Signs of the Swarm und gemütlich in den Festivaltag kommen sieht definitiv anders aus. Bereits am Vormittag brannte die Sonne erbarmungslos auf das Gelände. Schatten gab es kaum, dafür servierten die US-Amerikaner tiefe Riffs, brutale Breakdowns und gutturale Vocals. Signs of the Swarm waren 2026 zum ersten Mal beim Reload dabei.

Vor der Bühne herrschte trotz der Temperaturen Ausnahmezustand. Moshpits gingen auf und ein Crowdsurfer nach dem anderen machte sich auf den Weg Richtung Bühne. Die Security im Graben hatte entsprechend gut zu tun. Für eine kleine Überraschung sorgte zwischendurch das Rob-Zombie-Cover „Dragula“, das sich erstaunlich gut in das ansonsten brachiale Set einfügte.
40 Minuten Alarm bei brütender Vormittagssonne. Deathcore zum Frühstück kann man offenbar machen.
Galerie Signs Of The Swarm
Alien Ant Farm: Willkommen zurück in den frühen 2000ern
Danach wurde es nostalgisch.
Alien Ant Farm feierten 2026 ihre Premiere beim Reload Festival und katapultierten uns musikalisch ziemlich schnell zurück in die frühen 2000er. Plötzlich waren sie wieder da, die Erinnerungen an Skateboards, Baggy Pants und eine Zeit, in der Nu Metal und Alternative Rock aus kaum einem Jugendzimmer wegzudenken waren.
Natürlich wartete das Publikum vor allem auf einen Song. Das restliche Set wurde ebenfalls gefeiert, aber die Songs sind wesentlich unbekannter, als der bekannte Cover-Song. Als schließlich am Ende des Sets die ersten Töne von Smooth Criminal erklangen, gab es vor der Bühne kein Halten mehr. Das Michael-Jackson-Cover ist längst selbst zum Klassiker geworden und funktioniert auch mehr als zwei Jahrzehnte später noch hervorragend. Die Menge tobte und gefühlt konnte immer noch jeder mitsingen.
Für uns war es eines der Highlights des Mittags und eine ziemlich gelungene Zeitreise.
Galerie Alien Ant Farm
Fit For An Autopsy: Circle Pit bei Kochtemperatur
Mit Fit For An Autopsy wurde es anschließend wieder deutlich härter.
Mittlerweile hatte die Sonne das Festivalgelände endgültig auf Betriebstemperatur gebracht. Das hielt die Crowd allerdings erneut nicht davon ab, sich vor der Bühne ordentlich zu bewegen. Die tiefen Breakdowns und tonnenschweren Riffs der Amerikaner lieferten dafür den passenden Soundtrack. Vor der Bühne drehte sich der Circle Pit gefühlt ohne Pause.
Bei diesen Temperaturen musste allerdings dringend Abkühlung her. Und die kam auf denkbar einfache Weise: Gartenschlauch auf und Wasser marsch.Die Wasserdusche wurde von der Crowd dankbar angenommen. Kurz nass machen lassen und anschließend wieder zurück in den Pit.

Hier gab es Deathcore, Circle Pit und den guten alten Gartenschlauch. Festival kann manchmal ziemlich unkompliziert sein.
Galerie Fit For An Autopsy
Paleface Swiss: Crowdsurfer am Fließband
Wer danach glaubte, die Temperaturen würden irgendwann für etwas weniger Bewegung sorgen, hatte die Rechnung ohne Paleface Swiss gemacht.
Die Schweizer gingen mit ordentlich Druck zu Werke und hatten das Publikum schnell unter Kontrolle. Vor allem die permanente Animation von der Bühne zeigte Wirkung.
Moshpits öffneten sich, die Menge sprang und irgendwann entwickelte sich das Ganze zu einem regelrechten Crowdsurf-Massaker.
Ein Crowdsurfer nach dem anderen wurde über die Köpfe Richtung Bühne getragen. Teilweise kamen sie so schnell hintereinander im Graben an, dass die Security kaum Gelegenheit zum Durchatmen hatte.
Und das alles weiterhin bei brütender Hitze.
Paleface Swiss lieferten genau die Art von Show, bei der die Grenze zwischen Band und Publikum irgendwann ziemlich nebensächlich wird.
Galerie Paleface Swiss
Setlist Paleface Swiss
Alestorm: Quietscheenten statt Weltuntergang
Nach mehreren Stunden voller Breakdowns und Moshpits wurde es bei Alestorm Zeit für eine etwas andere Form der Eskalation. Die Schotten feierten 2026 ihre Premiere beim Reload Festival. Statt düsterer Atmosphäre gab es Piraten-Metal, ordentlich 80er-Feeling und vor allem jede Menge Spaß. Auf der Bühne standen Quietschenden und zusätzlich wurden weitere ins Publikum geworfen, die während des ganzen Konzerts über die Menge tänzelten und das absurde Gesamtbild ergänzten.

Vor der Bühne wurde weniger gekämpft und dafür umso mehr getanzt, gesprungen und mitgegrölt. Alestorm nehmen sich selbst bekanntlich nicht sonderlich ernst – und genau deshalb funktioniert das Ganze live so gut. Nach den vorherigen Abrissen war diese komplett überdrehte Piraten-Party eine willkommene Abwechslung. Manchmal braucht ein Metal-Festival eben einfach ein paar gelbe Quietscheenten. Vor dem Konzert bekam ich sogar noch eine von einem Besucher geschenkt, nachdem ich ein Foto von ihm gemacht habe.
Galerie Alestorm
Setlist Alestorm
Airbourne: Rock ’n’ Roll kennt keine Absperrung
Mit Airbourne wurde anschließend wieder klassisch gerockt.
Die Australier brauchen dafür weder komplizierte Arrangements noch eine besonders ausgefallene Inszenierung. Verstärker aufdrehen, Gitarren umschnallen und los. Das Ergebnis war zorniger, dreckiger Rock ’n’ Roll, der live einfach funktioniert.

Frontmann Joel O’Keeffe war dabei wie gewohnt kaum zu bremsen. Irgendwann reichte ihm die Bühne nicht mehr und er machte sich samt Gitarre auf den Weg mitten hinein ins Publikum. Dort wurde, umringt von Fans, einfach weitergespielt.
Airbourne lieferten damit genau das, was man von ihnen erwartet: große Riffs, reichlich Energie und eine Show, bei der Sicherheitsabstände eher als unverbindliche Empfehlung verstanden werden.
Setlist Airbourne
Judas Priest: Der Metal God fährt vor
Am Abend wartete schließlich eine Band, die man ohne Übertreibung als Teil der Heavy-Metal-Geschichte bezeichnen kann. Auch Judas Priest standen 2026 erstmals überhaupt auf der Bühne des Reload Festivals. Im Mittelpunkt dabei natürlich Sänger Rob Halford. Mit 74 Jahren sieht man dem Metal God mittlerweile durchaus an, dass mehrere Jahrzehnte auf den Bühnen dieser Welt nicht spurlos an einem vorbeigehen.

Während längerer Gitarrensoli verschwand Halford immer wieder kurz von der Bühne und gönnte sich seine Pausen. Das tat der Show allerdings keinen wirklichen Abbruch. Sobald er zurückkam, war die Präsenz wieder da. Im direkten Vergleich zu unserem letzten Judas-Priest-Konzert beim Full Force 2023 wirkte die Band dieses Mal sogar deutlich stärker.
Musikalisch gab es die volle Ladung Klassiker. „Breaking the Law“, „Electric Eye“, „Painkiller“ und „Living After Midnight“ – eine Hymne folgte auf die nächste. Und natürlich durfte auch eines nicht fehlen: Irgendwann rollte Halford stilecht auf dem Motorrad auf die Bühne. Vielleicht rennt der Metal God heute nicht mehr permanent über die Bühne. Muss er aber auch nicht. Judas Priest lieferten trotz des hohen Alters ihres Frontmanns eine absolut solide und würdige Headliner-Show.
Es war eine Ehre, diese Show fotografisch begleiten zu können.
Galerie Judas Priest
Setlist Judas Priest
Fazit zu Tag 2 beim Reload Festival 2026
Der Freitag zeigte erneut, wie breit das Reload Festival 2026 musikalisch aufgestellt ist. Das Festival selbst bezeichnet das Line-up als genreübergreifende Mischung aus internationalen Größen, Szene-Favoriten und Newcomern – und genau das spiegelte sich am Samstag perfekt wider.
Das Highlight bildete an diesem Tag die Performance von Judas Priest mit einem 74-jährigen Rob Halford, der trotz seines Alters noch mit seiner Stimme überzeugen kann. Und auch die Bühnenshow ist vielleicht etwas langsamer, aber nicht weniger imposant. Besonders wenn der Sänger mit seinem Motorrad auf die Bühne fährt und die Gitarren erklingen ergibt sich ein perfektes Bild des klassischen Heavy Metal.
Galerie Besucher & Atmosphäre
Weitere Berichte zum Reload Festival gibt es hier
Live-Musik ist meine Leidenschaft. Mit meinem Magazin Mach Mal Laut und meiner Kamera bin ich auf Konzerten und Festivals unterwegs, um besondere Momente einzufangen und Geschichten aus der Rock-, Punk-, Metal- und Hardcore-Szene zu erzählen. Ursprünglich komme ich aus der Lüneburger Heide, lebe aber seit vielen Jahren in Hamburg.






























































































































































