Reload Festival 2026: Tag 3 – Eurodance, Zombies und Crowdsurfer-Highway

Reload Festival 2026 – Sulingen – 13.-15.08.2026

Samstag war Tag 3 bzw. Tag 3,5 beim Reload Festival 2026. Die vergangenen beiden Tage steckten mittlerweile durchaus in den Knochen, aber das Programm hatte offensichtlich nicht vor, uns einen gemütlichen Einstieg in den letzten Festivaltag zu ermöglichen. Wobei – musikalisch begann der Samstag zunächst ziemlich unerwartet. Statt Deathcore oder Metal gab es am Vormittag eine ordentliche Portion 90er-Eurodance. Danach führte uns der Tag über modernen Metal und eine kleine Zombie-Apokalypse bis hin zu kompromisslosem Death Metal und einem emotionalen Wiedersehen mit The Ghost Inside.

Vengaboys: Metalheads können auch Eurodance

Es gibt diese Festivalmomente, die auf dem Papier völlig absurd klingen und gerade deshalb hervorragend funktionieren. Der Auftritt der Vengaboys beim Reload Festival gehört definitiv dazu.

90er-Eurodance auf einem Metal-Festival – und gefühlt war einfach das komplette Festival da. Schon der Blick auf die Menschenmenge vor der Bühne machte deutlich, dass die Veranstalter mit dieser Buchung offenbar einen Nerv getroffen hatten. Dann wurde es bunt. Seifenblasen schwebten über das Publikum, Konfetti flog durch die Luft und vor der Bühne wurde getanzt, gesprungen und erstaunlich textsicher mitgesungen.

Die Vengaboys packten natürlich ihre großen Hits aus. „We Like to Party!“, „Boom, Boom, Boom, Boom!!“, „We’re Going to Ibiza!“ und „Up & Down“ – irgendwann fühlte man sich tatsächlich wieder wie Ende der 90er. Ein komplett bekloppter Start in einen Metal-Festivaltag. Und gerade deshalb: Wahnsinn.

Galerie Vengaboys

Fotos: Ralph

Setlist Vengaboys
Vengaboys Setlist Reload Festival 2026

From Fall To Spring: Moderne Härte trifft auf einen alten Bekannten

Nach dem Eurodance-Ausflug ging es mit From Fall To Spring zurück in deutlich vertrautere Festivalgefilde. Im Mittelpunkt stehen bei den Saarländern die Zwillinge Philip und Lukas Wilhelm, die gemeinsam einen modernen Mix aus Metalcore, Nu Metal und elektronischen Elementen auf die Bühne bringen.

Ganz neu sind große Festivalbühnen für die Band nicht mehr. Bereits im vergangenen Jahr waren From Fall To Spring beim Wacken Open Air 2025 zu Gast. Beim Reload zeigten sie erneut, warum die Band in den vergangenen Jahren ordentlich an Boden gutgemacht hat. Moderner Sound, eingängige Passagen und genügend Härte, damit auch der Pit etwas zu tun bekommt.

Besonders gut funktionierte das Cover von Papa Roachs Last Resort. Ein Song, bei dem auf einem Festival dieser Art vermutlich niemand erst den Text googeln muss. Entsprechend laut wurde vor der Bühne mitgesungen.

Vended: Ein bisschen Slipknot darf es sein

Bei Vended wurde die Atmosphäre anschließend deutlich düsterer. Masken, bemalte Körper und eine Bühnenpräsenz, die irgendwo zwischen bedrohlich und leicht wahnsinnig angesiedelt war. Dazu gewaltige Riffs und jede Menge Aggression.

Dass dabei gelegentlich Erinnerungen an Slipknot aufkommen, lässt sich kaum vermeiden. Die familiären Verbindungen sind schließlich bekannt: Sänger Griffin Taylor ist der Sohn von Corey Taylor, Schlagzeuger Simon Crahan der Sohn von Shawn „Clown“ Crahan.

Das musikalische Erbe ist durchaus zu hören, Vended versuchen aber nicht einfach, die Band ihrer Väter zu kopieren. Live kam das Ganze angenehm durchgeknallt daher. Harte Riffs, irre Blicke und ständig das Gefühl, dass auf der Bühne gleich irgendetwas eskalieren könnte. Ein bisschen psycho. Im positiven Sinne.

Dominum: Willkommen bei der Zombie-Apokalypse

Von leicht wahnsinnig ging es anschließend direkt weiter zu komplett untot. Bei Dominum standen plötzlich Zombies auf der Bühne. Das gesamte Konzept der Band bewegt sich irgendwo zwischen Metal-Show und Horrorfilm. Entsprechend erinnerte das Bühnenbild an eine wilde Mischung aus Dracula, Frankenstein und Zombie-Apokalypse.

Man könnte bei so einem Konzept durchaus befürchten, dass die Musik irgendwann zur Nebensache wird. Tat sie aber nicht.

Hinter dem ganzen Make-up und Horror-Klamauk steckten eingängige Songs, melodischer Metal und Refrains, die live erstaunlich gut funktionierten. Dominum waren für uns deshalb eine der Überraschungen des Samstags. Hingegangen wegen der kuriosen Optik – geblieben, weil die Band tatsächlich ziemlich gut war. Metal-Zombies können offenbar mehr als nur gut aussehen.

Misery Index: Jetzt gibt es wieder auf die Zwölf

Nach Zombies, Eurodance und jeder Menge Show wurde es bei Misery Index wieder erfreulich unkompliziert. Hart. Brutal. Aggressiv. Mehr braucht man eigentlich kaum zu schreiben.

Die US-Amerikaner feierten beim Reload 2026 ihre Premiere und lieferten genau das, wofür man Misery Index kennt: kompromisslosen Death Metal mit Grindcore-Einschlag, rasende Passagen, schwere Grooves und jede Menge Druck.

Keine große Inszenierung, keine Zombies und auch keine Seifenblasen. Einfach Verstärker an und drauf. Manchmal braucht es eben nicht mehr.

Future Palace: Einfach wieder abgeliefert

Mit Future Palace stand anschließend eine Band auf der Bühne, bei der wir ziemlich genau wussten, was uns erwartet. Und das ist keineswegs negativ gemeint. Die Berliner hatten bereits 2024 beim Reload gespielt und zeigten auch dieses Mal wieder, warum sie sich mittlerweile einen festen Platz im modernen Post-Hardcore erspielt haben.

Vor allem Maria Lessing überzeugte erneut mit einer starken Bühnenpräsenz. Melodische Vocals wechselten sich mit heftigen Screams ab, während harte Gitarren und elektronische Elemente den typischen Future-Palace-Sound lieferten. Große Überraschungen gab es nicht. Brauchte es aber auch nicht. Future Palace kamen, spielten und lieferten wie gewohnt ab.

The Ghost Inside: Crowdsurfer auf der Autobahn

Auf The Ghost Inside hatten wir uns an diesem Samstag besonders gefreut. 15 Jahre waren seit dem letzten Auftritt der Kalifornier beim Reload vergangen. Entsprechend groß war die Vorfreude auf das Wiedersehen.

Und es wurde genau die Mischung, für die wir diese Band sehen wollten: brachial und gleichzeitig unglaublich emotional. The Ghost Inside packten die großen Bretter aus. Massive Breakdowns trafen auf Melodien und Refrains, die von der Crowd entsprechend laut beantwortet wurden. Vor der Bühne herrschte zeitweise kompletter Ausnahmezustand. Die Crowdsurfer kamen nicht mehr einzeln.

Der einzige wirkliche Kritikpunkt? Viel zu kurz. Wir hätten problemlos noch eine ganze Weile weitermachen können. Für uns eines der emotionalen Highlights des gesamten Reload-Wochenendes.

Fotos: Tobias

Fazit zu Tag 3 beim Reload Festival 2026

Was für ein merkwürdig großartiger letzter Festivaltag.

Am Vormittag standen bereits tausende Metalheads bei den Vengaboys und grölten alle gemeinsam Boom Boom Boom Boom. Wenig später gibt es mit From Fall To Spring modernen Metal und gemeinsames Nu Metal Flashback mit Last Resort. Vended brachten eine ordentliche Portion kontrollierten Wahnsinn auf die Bühne und bei Dominum brach anschließend die Zombie-Apokalypse aus.

Misery Index verzichteten danach dankenswerterweise auf sämtliche Spielereien und hauten einfach drauf. Future Palace lieferten gewohnt souverän ab und The Ghost Inside sorgten schließlich für einen dieser Auftritte, der einem noch lange in Erinnerung bleiben wird

Drei Tage Reload Festival bedeuteten am Ende Hitze, Staub, Wasser aus Gartenschläuchen, unzählige Crowdsurfer, Circle Pits, Feuer, Zombies, Quietscheenten, Seifenblasen und eine ordentliche Portion Party. Die Beine waren durch. Die Stimme eigentlich auch.

Aber genau so sollte sich der letzte Tag eines Festivals anfühlen. Bis zum nächsten Mal Reload Festival in Sulingen.

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Text: Tobias

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