Anmerkung: Da ich keinen Fotopass hatte, sind alle Fotos mit meinem iPhone entstanden.
Anreise, Probleme an der Bändchenausgabe und Raupengefahr
Um 09:19 Uhr fuhr der Rock im Park 2026-Zug für uns in Hamburg ab. Damit ging es aber anders als im dazu passenden Sprichwort gerade erst los. Die Fahrt nach Nürnberg war bereits die Einstimmung auf das, was an diesem Wochenende noch folgen sollte. Am frühen Nachmittag pünktlich in Nürnberg angekommen, machten wir uns zunächst auf den Weg zu unserem Hotel und bezogen die Zimmer. Das Wetter war sich am Donnerstag noch nicht sicher, was es will und drohte beharrlich mit Regen. Anders als bei Rock am Ring kamen die zeltenden Parkrocker aber noch glimpflich davon und wurden nur von einigen Schauern getroffen. Daher entschieden wir uns möglichst schnell die Bändchen zu holen und danach im Biergarten am Dutzendteich einzukehren.
Bei der Bändchenausgabe gab es dieses Mal bei einem Teil unserer Gruppe technische Probleme mit dem Scanner, wodurch das Ticket bereits als entwertet angezeigt wurde. Die Klärung über das Servicecenter zog sich leider fast 2 Stunden hin. An dieser Stelle gibt es auf jeden Fall noch Optimierungsbedarf. Es kommt aber auch wirklich selten vor und war für uns das erste Mal, das es überhaupt Probleme dabei gab. Nachdem das geklärt war, machten wir es uns im Biergarten bei einer deftigen Mahlzeit gemütlich. Nachdem die Regenschauer durchgezogen waren, beschlossen wir auch den Zeltplatz einmal zu erkunden. Hier war schon direkt von Anfang an, komplette Eskalation und Festivalstimmung angesagt. Es gab aber auch ruhigere Ecken. Besonders interessant war ein Teil des Zeltplatzes an dem Warnschilder vor dem Eichenprozessionsspinner angebracht waren und das Camping an bestimmgen Stellen auf eigene Gefahr erfolgte. Ich hätte mich das definitiv nicht getraut, aber wenn es keinen anderen Platz mehr gab, kann ich verstehen, dass die dort zeltenden Menschen ihre Unterkunft dort aufgebaut haben. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass in diesem Jahr die Anreise für die Zeltplätze deutlich besser funktionierte. Warteschlangen haben wir am Nachmittag überhaupt keine mehr gesehen.

Den Abend ließen wir nach dem Zeltplatzbummel in der Innenstadt in einer Cocktailbar ausklingen bevor es ins Bett ging und am nächsten Tag endlich die ersten Bands spielen sollten.
Freitag: Geprellte Rippen und Party pur
Der Tag begann mit einem guten Frühstück im Nürnberger Handwerkerhof am Rande der Altstadt. Direkt danach ging es in ein Wirtshaus zur Stärkung mit Getränken und Mittagessen bevor wir mit der Tram zum Festivalgelände fuhren. Die erste Band, die für mich am Freitag auf dem Plan standen, waren Paleface Swiss. Die Band aus Zürich riss von Anfang an das Festivalgelände ab. Passend zu den Screams von Sänger Marc „Zelli“ Zellweger macht das Publikum das Moshpit auf und der erste Circle Pit war bereits so groß, wie zuletzt bei Kreator vor zwei Jahren an selber Stelle.
Danach folgte eins der Highlights, auf das ich mich mit am meisten im Vorfeld gefreut habe: Tom Morello. Der Gitarrist der legendären Rage against the Machine und Teil der Supergroup Audioslave war mit einem Mix aus Songs der beiden genannten Bands, aber auch eigenen Songs, die erst kürzlich erschienen sind auf dem Zeppelinfeld dabei. Bei Klassikern wie Killing in the name of ließ die Band den Gesang komplett weg und überließ die Stimme dem Publikum, das kollektiv ausrastete. Like a Stone, den bekanntesten Audioslave-Song widmete er dem 2017 verstorbenen Chris Cornell und löste damit Gänsehaut aus. Den Gesangspart übernahm sein Gitarrist, der dabei einen richtig guten Job machte.
Was direkt auffiel waren die Optimierungen am Gelände. Durch den Wegfall des Utopia Stage Camps konnte das gesamte Gelände des Zeppelinfelds genutzt werden. Bei den Toiletten auf Höhe des zweiten abgetrennten Bereichs vor der Bühne gab es dieses Mal mehrere Container mit Toiletten mit Wasserspülung und keine Pissoirinseln mehr. Als Weg aus dem ersten abgetrennten Bereich gab es einen umfangreichen Ausweichweg, damit sich bei großem Andrang die Besucherströme nicht kreuzen. Diese Optimierungen waren eine willkommene Verbesserung in diesem Jahr
Metalcore pur mit Bury Tomorrow und Landmvrks
Im Anschluss führte der Weg zurück zur Mandora Stage. Zu dem Paket aus den beiden aufeinander folgenden Bury Tomorrow und Landmvrks konnte ich nicht Nein sagen. Den Anfang machten die Metalcore-Giganten aus Großbritannien um Sänger Daniel Winter-Bates. Bury Tomorrow legten mit einer unglaublichen Wucht los und zogen das auch bis zum letzten Ton durch. Ich wollte es mir nicht nehmen lassen und stürmte bei Abandon Us ins Moshpit. Leider habe ich dieses Mal nicht richtig aufgepasst und kollidierte frontal mit einer anderen Person wobei ich mir die Rippen geprellt habe. Die kurze Untersuchung bei den Sanitätern nach dem Konzert zeigte aber: Es war nicht dramatisch. Also konnte es direkt mit Landmvrks weitergehen, nur ab diesem Zeitpunkt ohne Moshpit für mich. Die Franzosen um Sänger Florent Salfati, die ursprünglich in 2014 unter dem Namen Coldsight gegründet wurde, sind die Senkrechtstarter der Metalcore Szene. Das zeigten sie auch in Nürnberg. Mit dezentem Bühnenbild und gekonnt eingesetzten Flammeneffekten brachten sie die Mandora Stage zum Kochen. Es war von beiden Bands eine herausragende Performance für ein Nachmittags-Set auf einem Festival und ein grandioser Auftakt für das Wochenende.
Schlagercore Party mit Electric Callboy
Ohne große Pause ging es danach an der Utopia Stage mit Electric Callboy weiter. Da die Zeit zwischen beiden Sets recht knapp war, schafften wir es nur in den hinteren Bereich und verfolgten das Set hier relativ entspannt, während die Formation aus Castrop-Rauxel, die ihren eigenen Sound erfolgreich durchgesetzt hat auf der Bühne durchdrehte. Besonders beeindruckt haben mich die CO2-Fontänen, die in bunten Farben angeleuchtet wurden. Überraschungen gab es im Set ebenfalls. So spielte die Band dieses Mal ein Cover vom Drowning Pool-Hit Bodies, zu dem das ganze Feld eskalierte. Später kam überraschend auch noch Dexter Holland von The Offspring auf die Bühne, die erst am Tag danach spielen sollten. Zusammen performten sie den, erst an diesem Tag erschienen gemeinsamen Hit Let the good times roll. Nach dem Set war endlich mal Zeit für eine Pause zum Essen bevor es zum Hauptact überging.
Setlist Electric Callboy
Headliner mit angezogener Handbremse
Als Headliner des Tages standen Volbeat auf dem Programm. Die Band aus Dänemark habe ich schon längere Zeit nicht live gesehen und beim letzten Auftritt bei Rock im Park 2022 habe ich sie sogar ausgelassen. Daher habe ich mich darauf gefreut, sie endlich wieder mal live spielen zu sehen. Die Gruppe um Sänger Michael Poulsen, die in ihrer Laufbahn immer wieder auch personelle Veränderungen durchlebt hat und von der neben dem Sänger nur noch der Schlagzeuger Jon Larsen zur Gründungsbesetzung gehören, spielte ein solides Set. Aber irgendwie wollte der Funke nicht auf das Publikum überspringen. Es gab im Vergleich zu weiteren Headlinern relativ wenig Interaktion mit dem Publikum. Das Publikum selbst wirkte ebenfalls nicht sehr motiviert, dem Geschehen auf der Bühne etwas zurückzugeben. Die Performance wirkte insgesamt etwas müde und auch Poulsens Stimme wirkte dabei leicht angeschlagen. Kurze Zeit später sagte die Band ihren Auftritt beim Hellfest 2026 ab, ohne bisher Gründe dafür zu nennen. Die restlichen Tourpläne scheinen davon aber nicht betroffen zu sein.
Setlist Volbeat
Tagesabschluss mit Palaye Royale und H-Blockx
Nach Volbeat war der erste Tag aber noch lange nicht vorbei. Für mich eine der Überraschungen des Wochenendes waren Palaye Royale. Die Band spielte um Mitternacht herum in der Orbit Stage, aber die Halle war dabei überhaupt nicht leer. Ob die meisten bereits für die darauf folgenden H-Blockx anwesend waren, kann ich nicht beurteilen, aber die Band aus Las Vegas rockte auf der Bühne ordentlich ab. Sogar die guten alten Beachbälle wurden noch herausgeholt und flogen bis weit nach dem Konzert noch durch die Halle. Da ich die Band vorher noch nie gehört hatte, war ich überrascht zu sehen, wie die Band auf der Bühne abging, aber auch das Publikum darauf einging. Die Energie, die durch die Halle schwebte war unglaublich. Die Bühne war damit bereitet für den Abschluss des Tages.
Setlist Palaye Royale
Und dieser Abschluss war für mich gleichzeitig eins der Highlights des Wochenendes. Nach dem letzten Auftritt im Jahr 2024, bei dem nachmittags das Zeppelinfeld vor der Utopia Stage bebte, waren die Erwartungen an diesen Auftritt hoch und sie wurden noch übertroffen. Die Halle war bis unters Dach voll und die Gruppe um Sänger Henning Wehlandt hob das Dach von der Halle als sie rauskamen. Bei Hits wie Countdown to Insanity, Move und Risin‘ High explodierte das Moshpit förmlich. Aber auch emotionale Momente, wie bei Little Girl machten das Set komplett. Für mich war der Auftritt eins der Highlights des Tages
Setlist H-Blockx
Mein Ranking für Tag 1:
- H-Blockx: 10/10
- Tom Morello: 10/10
- Bury Tomorrow: 9/10
- Landmvrks: 9/10
- Paleface Swiss: 8/10
- Electric Callboy: 8/10
- Palaye Royale 8/10
- Volbeat: 6/10
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