Kaizers Orchestra: Ein Stück norwegischer Kultur in Hamburg

Kaizers Orchestra – Docks – 06.10.2026

Kaizers Orchestra war für mich vor diesem Konzert komplett neu. Dabei ist die Band alles andere als neu. Ihre erste EP veröffentlichten sie bereits im Jahr 2000. Zwischen 2000 und 2012 veröffentlichen sie 8 Studioalben, sowie zusätzlich EPs und Live-Alben. Live ist auch das Stichwort bei dieser Band. Man muss sie einfach live erlebt haben. Das was die Band auf der Bühne zeigt, kann eine Platte nicht wiedergeben. 2023 kam die Band überraschend aus ihrer 10 Jahre dauernden Pause zurück und spielte dabei in den vier größten norwegischen Städten nsgesamt 56 Konzerte vor 82.000 Menschen. Die Tickets waren innerhalb von 15 Minuten ausverkauft.

Kaizers Orchestra Hamburg 2026 04

Seitdem sind sie vereinzelt auf Tour, wie im letzten Jahr durch mehrere Stadien und aktuell auf einer Clubtour durch Europa. Doch wie bin ich überhaupt dorthin gekommen? Ich habe auf dem Reeperbahn Festival als Besucher die Band Victory Kid kennengelernt, die mich mit ihrem Ska Punkt direkt mitgerissen hat. Nach der Show vor ein paar Wochen habe ich mich mit Sänger Harrison unterhalten und er kündigte damals an, dass die Band am 6. Oktober zurück in Hamburg ist, um im Docks zu spielen. Also blieben wir in Kontakt, damit ich die Band bei ihrem Auftritt fotografisch begleiten kann.

Victory Kid ohne Posaune und Trompete aber mit viel Spaß

Im Vergleich zu ihrem Auftritt im Saalsaal auf dem Reeperbahn Festival war die Band nur noch zu viert. In dem kleinen Kellerraum waren noch Philipp und Sylvain an der Trompete und Posaune dabei, die der Band den typischen Ska-Punk-Sound geben. Im Docks fehlten die beiden, wodurch es kein Ska-Punk, aber dafür lockerer West Coast Skate-/Surf-Punk war. Somit habe ich innerhalb von wenigen Wochen zwei Facetten der Band kennengelernt, die sich gut ergänzen und in beiden Ausprägungen zur Band passen. Die Kernbesetzung der Band sind Sänger Harrison Nida aus den USA und Schlagzeuger Carlo Ribaux aus der Schweiz. Beim Auftritt im Docks wurden sie an E-Gitarre und Bass von Jonas Wolf von Eluveitie und Arion Salazar von Third Eye Blind unterstützt, die für die übliche Besetzung einsprangen.

Der Sound von Victory Kid erinnert an Bands wie Blink-182 und Greenday. Teilweise höre ich auch Einflüsse von Billy Talent heraus. An diesem Abend waren die meisten Anwesenden nicht wegen Victory Kid im Docks, aber sie haben sicher neue Fans dazugewonnen. Von zumindest einer Person habe ich erfahren, dass sie nur wegen der schweizerisch-amerikanischen Kombo an diesem Abend beim Konzert war. Auch nach dem Konzert kamen am Merchandise mehrere Besucher vorbei, die der Band ihr Lob aussprachen. Ein Moshpit suchte man an diesem Abend vergeblich. Das lag auch an der entspannten Stimmung, die Kaizers Orchestra mit ihrer Musik ausstrahlen. Das schadete der Stimmung aber in keinem Fall. Im Gegenteil sprang der lockere Vibe von Anfang an aufs Publikum über.

Als Anekdote erzählte Schlagzeuger Carlo, dass die Band nach einem Kaizers Orchestra Konzert gegründet wurde. Als er 2011 in Los Angeles gelebt hat und bei einem Kaizers Orchestra Konzert zu Besuch war, ging er anschließend noch in eine Bar und lernte dort Sänger Harrison kennen. Gemeinsam entstand die Idee eine Band zu gründen. Die Liebe zu Kaizers Orchestra geht bei Carlo auch unter die Haut. Er hat sich am Unterarm das Logo der Band tätowieren lassen. Umso besonderer ist es, dass Victory Kid die Norweger auf ihrer aktuellen Clubtour unterstützen dürfen. Auch wenn sie inzwischen getrennt in den USA und in der Schweiz leben ist die Band weiterhin gemeinsam aktiv, entwickelt sich weiter und spielt zusammen Konzerte. Regelmäßige Bandproben benötigt die Band nicht. Sie kennen sich lange und gehen einfach auf die Bühne und haben gemeinsam Spaß.

Im März ist die Band wieder zurück auf Tour und kommt in Hamburg in den Nochtspeicher. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Galerie Victory Kid

Kaizers Orchestra sorgten für totale Reizüberflutung und Partystimmung

Die Norweger begannen mit einer interessanten Musik vom Band mit dem Russian Dance, einem schrägen Stück zwischen düsterem Cabaret, rauem Blues. Kurz danach kam Orgelspieler Helge „Omen“ Risa mit einer aufgesetzten Gasmaske und einem Aktenkoffer auf die Bühne, passend zum Logo der Band, bevor er an seinen beiden Orgeln Platz nahm. Dort fanden sich auch mehrere antike Requisiten, wie ein altes Telefon und ein antiquiertes Portraitbild. Vorne auf der Bühne standen zwei große Metaltonnen, die später noch relevant werden sollten.

Kurze Zeit später kam der Rest der Band auf die Bühne und die Band begann den Song Aldri Vodka, Violeta (Deutsch: Niemals Wodka, Violeta) zu spielen. Der Sound der Band bewegt sich größtenteils zwischen klassischen Rock und Blues, wird jedoch immer wieder durch experimentelle Elemente ergänzt. Der Gesang von Jan Ove Ottesen, genannt „The Jackal“, ist sehr clean und auch wenn sämtliche Texte komplett auf norwegisch gesungen werden, hat man auch als Nicht-Skandinavier das Gefühl zu verstehen, worum es geht. Und auch wenn man die Texte nicht versteht ist die musikalische Darbietung von Kaizers Orchestra und die Show auf der Bühne einen Besuch wert und wird jeden mitreißen. Die Band gab hier wirklich alles. Regelmäßig kletterten die beiden Gitarristen Geir „Hellraizer“ Zahl und Terje „Killmaster“ Vinterstø auf die beiden Tonnen und bei einem Sprung aus der Höhe ist das folgende Foto entstanden.

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Die düstere Atmosphäre des Anfangs wandelte sich im Laufe des Sets in ein immer bunteres Klima. Interessant wurde es als die Bandmitglieder plötzlich Holzschläger und Eisenbrechstangen auspackte und begann auf die Tonnen einzuschlagen. Dieses zusätzliche Percussion-Element war mir bis dahin nur von Slipknot bekannt. Es verlieh dem Ganzen noch das gewisse Etwas. Auf Schallplatte oder in den Streamingdiensten kommt diese besondere Stimmung nicht so rüber. Live wird sie jedoch Wirklichkeit und erklärt warum die Reunion-Tour vor einigen Jahren innerhalb von 15 Minuten ausverkauft war. Mindestens die Hälfte der Anwesenden im Saal waren Norweger, Dänen und Schweden, wie Sänger Janove zwischendurch abfragte. Der Rest des Publikums war sehr international verteilt. Alle zusammen feierten jeden Song und besonders die Norweger sangen die Texte laut mit.

Zumindest ein Song von Kaizers Orchestrahat einen deutschen Text. Der Song Die Polizei war gleichzeitig der letzte Song des Sets. Im Refrain singt Janove immer wieder „Die Polizei“. Die restlichen Lyrics des Songs sind wie üblich auf norwegisch.

Nach dem Konzert stand die Band noch lange am Merch für Fotos und Autogramme für die Fans bereit, die das Angebot in großer Zahl annahmen. Dabei wurde auch erzählt, dass die Band an neuer Musik arbeitet und in den nächsten ein bis zwei Jahren ein neues Album erscheinen soll.

Ich kann definitiv empfehlen diese Band live zu sehen. Nur so erlebt man die volle Magie dieser skandinavischen Kombo.

Galerie Kaizers Orchestra

Setlist Kaizers Orchestra
Kaizers Orchestra Setlist Docks, Hamburg, Germany 2026

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