Die Toten Hosen auf Abschiedstour in Hamburg – und sie kamen nicht allein

Die Toten Hosen befinden sich aktuell auf der „Trink aus! Wir müssen gehen“ Tour und machten in diesem Rahmen auch in Hamburg Halt. Wie Campino während des Konzerts erzählte ist nicht ganz klar, wie oft Die Toten Hosen in ihrer Bandgeschichte in Hamburg gespielt haben. Es existieren dazu die Zahlen 41 und 44 und niemand ist sich ganz sicher, welche richtig ist. Campino war davor auch mit seiner Band ZK im Juni 1979 zum ersten Mal in Hamburg, um ein Konzert zu spielen. Daher wurde die Frage in den Raum geworfen, ob diese mitgezählt werden. Die tatsächliche Anzahl ist 45 Konzerte in Hamburg. Aber gehen wir zurück an den Anfang.

Der Kampf um den Front of Stage-Zugang

An der Trabrennbahn in Hamburg Bahrenfeld angekommen, galt es sich zunächst zu orientieren und den Eingang zu finden. Das war nicht schwer, denn alle Besucher*innen waren auf dem Weg zu einem der beiden Eingänge. Vor Ort erkannte man direkt eine kleine Menschentraube. Hier wurde schon ein Teil der begehrten Front of Stage-Bändchen, die Zugang zum ersten Wellenbrecher gewähren, durch das Ordnungspersonal ausgegeben. Nachdem alle Bänder ausgegeben waren, löste sich die Traube genauso schnell wieder auf, wie sie sich gebildet hatte. Doch alle leer ausgegangenen brauchten nicht traurig sein, denn direkt am Eingang zum Wellenbrecher warteten noch mehr Bändchen darauf, abgeholt zu werden. Der Einlass gestaltete sich relativ ruhig und ging geordnet voran. Nach üblichen Abtasten und dem Scannen des Tickets ging es auf direktem Weg zur Bühne. Dabei wurde von der Security konsequent darauf geachtet, dass niemand im Laufschritt zur Bühne sprintet.

Menschen, die zum Sprint ansetzten wurden freundlich gebeten, entspannt weiterzugehen. Die Aufregung war bei allen, die sich auf dem Weg befanden spürbar. Umso größer war die Erleichterung, als endlich das Bändchen für den Einlass am Arm befestigt war und der Weg zur nächsten Getränkebude und in den Schatten gesucht werden konnte. Schatten findet man auf der Trabrennbahn nur an wenigen Stellen, aber das Wetter war gnädig und brachte zwischendurch auch Bewölkung auf, so dass es nicht zu heiß wurde.

Nostalgie und Tempo bei den Supports

Mit The Stranglers stand zunächst ein echtes Stück britischer Punkgeschichte auf der Bühne. Die 1974 in Guildford gegründete Band gehörte zu den Wegbereitern der Punkbewegung, war musikalisch aber schon immer schwerer in eine Schublade zu stecken als viele ihrer Zeitgenossen. Der markante Bass von Jean-Jacques Burnel, düstere Gitarren und vor allem die charakteristischen Keyboards machten aus dem Sound der Stranglers eine ganz eigene Mischung aus Punk, Post-Punk und düsterem Rock. Songs wie „No More Heroes“, „Peaches“ oder „Golden Brown“ gehören längst zum britischen Rockkanon. Dass die Band auch nach mehr als fünf Jahrzehnten noch auf der Bühne steht, machte ihren Auftritt als Support der Hosen zu einer Begegnung zweier Generationen von Punk- und Rockgeschichte.

Campino kündigte die Band persönlich auf der Bühne an und man merkte dabei, was für eine Ehre es war, dass die Band als Opener an diesem Abend für Die Toten Hosen spielte. Hits wie Always The Sun konnten alle Anwesenden sofort mitsingen, auch wenn die Sonne sich in diesem Moment gerade etwas versteckte. Campino beichtete im Rahmen der Ankündigung auch, dass er The Stranges früher rauf und runter gehört hat und dabei davon geträumt habe, dass er ihr Schlagzeuger wird. Es war ein schöner Auftritt mit sehr entspannter Stimmung.

Anschließend übernahmen Gogol Bordello das Kommando – und damit wurde es schlagartig internationaler und vor allem deutlich wilder. Die 1999 in New York gegründete Band um den ukrainischen Frontmann Eugene Hütz verbindet Punk mit osteuropäischer Folklore, Geige, Akkordeon, Dub und einer gehörigen Portion anarchischem Bühnenchaos. Hütz selbst brachte dafür eine bewegte Geschichte mit: Nach der Katastrophe von Tschernobyl verließ er als junger Mann mit seiner Familie die Ukraine und lebte anschließend in mehreren europäischen Ländern, bevor er in New York seine musikalische Heimat fand. Genau diese multikulturelle Herkunft steckt bis heute in der Musik von Gogol Bordello. Das Publikum bekam eine explosive Mischung aus Punkkonzert, Balkan-Party und wildem Theater zu sehen.

Die Location: Trabrennbahn Bahrenfeld

Die Trabrennbahn in Hamburg Bahrenfeld ist eine kleine Herausforderung, wenn es um die Anbindung öffentlicher Verkehrsmittel geht. Zwar befinden sich S-Bahn Stationen in der näheren Umgebung, aber direkt zum Gelände kommt man nur mit dem Bus, wenn kein längerer Fußweg in Kauf genommen wird. So braucht man selbst aus der Innenstadt 1-2 Stunden, um zum Gelände zu gelangen. Für das Abschiedskonzert von Die Toten Hosen nimmt man diesen Weg jedoch gerne in Kauf.

Auf Dem Gelände selbst gab es einen abgesperrten ersten Wellenbrecher-Bereich, für den separate Bänder ausgegeben wurden. Dahinter war ein weitere Wellenbrecher-Bereich der offen zugänglich war und bis zum Front Of House (FOH) ging. Dahinter schloss sich dann der Rest des Geländes an. Verschiedene Kommentare deuteten darauf hin, dass im hinteren Bereich der Sound nicht optimal war. Es wurde dort laut den Kommentaren etwas leise und durch den Wind teilweise verwischt. Weiter vorn war davon nichts zu merken und der Sound war trotz ds Windes sehr gut.

Toiletten waren in zahlreicher Form auf dem ganzen Gelände vorhanden. Es waren Mobiltoiletten und Pissoirs jeweils in ganzen Batterien aufgestellt, die in einem umzäunten Bereich zugänglich waren. Direkt vor dem Auftritt von Die Toten Hosen und nach dem Konzert wurde es hier jedoch etwas eng und die Veranstalter sollten darüber nachdenken, wie sie den Zugang zu den Toiletten-Bereichen optimieren können. Dadurch das alle Besucher*innen durch den selben Ein- und Ausgang rein und rausgingen wurde es hier zeitweise sehr eng. Insgesamt war die Anzahl der vorhandenen Toiletten jedoch gut, so dass keine langen Wartezeiten entstanden.

Das kulinarische Angebot hatte alles zu bieten. Neben der klassischen Bratwurst gab es auch mehrere Stände mit Pommes und besonders hervorheben können wir den Schöner Döner, der in der Veganer Ausführung mit Pommes und Avocado einfach nur lecker war.

Getränkebuden gab es ebenfalls in ausreichender Form und hier musste nie lange gewartet werden. Die Preise waren allerdings im Vergleich zu Clubkonzerten relativ hoch. Bier konnte für 7,- €, Cola für 6,50 € gekauft werden. (Bierpreisindex)

Emotionale Achterbahnfahrt mit Die Toten Hosen

Danach wurde es langsam ernst und alles machte sich bereit für den Auftritt der Helden des Abends. Wie üblich lief in den letzten Minuten vor dem Konzert eine feste Playlist von bekannten Songs, die von den Fans schon im Schlaf mitgesungen werden kann. Dazu gehört unter Anderem Should I stay or should I go? von The Clash. Auf dem Konzert der Toten Hosen wirkt es wie ein große Party auf der man alte Bekannte trifft.

Als die Band die Bühne stürmte und Campino wie üblich über die ganze Bühne rannte und die Menge mit einem lauten „Guten Abend, Hamburg!“ begrüßte war klar, dass es jetzt richtig los geht. Und die Band startete direkt mit dem Klassiker Opel Gang unter dem Jubel der 35.000 anwesenden Fans, die die Trabrennbahn von der Bühne bis zum Rand ausfüllten.

Im Anschluss kamen zwei Songs vom neuen und gleichzeitig letzten Album mit Die Show muss weitergehen und Wir waren nie weg. Und tatsächlich wirkte es so, als wäre die Band nie weg gewesen und hätte gerade erst in Hamburg gespielt. Dabei liegt das letzte Konzert bereits 3 Jahre zurück, als sie im Stadtpark Hamburg gespielt haben. Was danach kam war eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der auch die ein oder Träne vergossen wurde während man die Lyrics mitgrölte. Bei Auswärtsspiel wurde es richtig laut und in der Menge positionierten sich bereits vor dem Song mehrere Fahnenträger*innen, die im Refrain des Songs ihre Fahnen in der Menge schwenkten.

Zu den Highlights im Set zählte auch Das Mädchen aus Rottweil, das die Band nicht häufig live spielt. Campino zeigte sich während des ganzen Sets wie üblich sehr publikumsnah und ging immer wieder nach vorne an die Absperrung. Hier waren Bretter angebracht, so dass er direkt am Publikum stehen konnte und mit den Besucher*innen in der ersten Reihe grölen konnte. Die Setlist wechselte immer wieder zwischen gefühlvollen und schnellen Song. Dadurch kam nie Langeweile auf.

Vor dem Song Was ist mit uns los drückte Campino seine Sorge aus, dass in wenigen Wochen in Sachsen-Anhalt eine rechtsextreme Partei die Wahl gewinnt und sagte, dass man den Menschen vor Ort zuhören und ihre Sorgen ernst nehmen muss. Der Song selbst ist ernst und ruhig und passte perfekt in diesen Moment. Währenddessen ging die Sonne unter und erzeugte ein schönes Gesamtbild während die Menge gespannt zuhörte.

Für den Song Pushed Again hatte sich die Band ebenfalls etwas besonders überlegt. In der Absperrung zum ersten Wellenbrecher waren mehrere Pyro-Fackeln aufgestellt, die im Refrain alle gleichzeitig zündeten. Auch im Moshpit wurden Bengalos gezündet, was eine krasse Stimmung erzeugte.

Zum Ende des regulären Sets hatte die Band bereits 24 Songs und circa 90 Minuten gespielt. Aber es war noch lange nicht vorbei. Ganze drei Zugaben spielten sie an diesem Abend. In der ersten Zugabe begrüßte Campino den ersten Gast des Abends. Marteria spielte zusammen mit der Band seinen Hit Welt der Wunder unter lautem Jubel der überraschten Menge.

Noch lauter wurde es in der zweiten Zugabe. Denn hier kam plötzlich Bela B von Die Ärzte auf die Bühne und spielte mit den Toten Hosen den Ärzte-Song Schrei nach Liebe. Auf einmal war man sich nicht sicher, ob dies ein Konzert von Die Toten Hosen oder Die Ärzte war, denn alle brüllten zusammen diesen einen Song und sich den Frust über den Rechtsruck aus der Seele. Bela stürzte während des Songs kurz von der Bühne, sang jedoch souverän bis zum Ende weiter und es wirkte als hätte er sich glücklicherweise nicht verletzt. Nach dem Song erzählte er noch eine Anekdote, warum „Campi“ so sympathisch sei. Denn er selbst wurde von Campino vor einigen Jahren dazu überredet in einer Hotelbar Rotwein-Schorle zu trinken und das habe noch niemand geschafft, so charmant sei der Frontmann der Toten Hosen.

Danach folgte sogar noch eine dritte Zugabe und hier wurde es ganz besonders. Zu dem Song Ich liebe das Leben kam niemand geringeres als Vicky Leandros und performte mit der Band diesen ikonischen Song. Campino konnte nicht anders als vor ihr auf die Knie zu fallen und ihr zu huldigen. Der Song ist auch auf dem Bonusteil des neuen Albums enthalten, aber live haben sie ihn zuvor noch nie gemeinsam gespielt. Das war ein Moment der für immer bleiben wird.

Zum Abschluss sang die Band den Evergreen Hit You’ll never walk alone. Dazu passend holten alle Besucher*innen einen Schal oder ein Shirt heraus, das sie in die Luft hielten. Nach dem Song warfen alle Bandmitglieder ihre Schals in die Menge. Sogar Campino warf seinen Liverpool Schal einem Fan zu bevor die Band sich endgültig in die Nacht verabschiedete und den Abend im Backstage-Bereich mit ihren Gästen ausklingen ließ.

Es war ein denkwürdiges Konzert, bei dem auch das Wetter mitspielte und bis auf ein paar Tropfen trocken und angenehm blieb. Dieser Abend wird noch lange in Erinnerung bleiben und war der perfekte Abschied von Hamburg für Die Toten Hosen.

Die Toten Hosen Setlist Hamburger Kultursommer, Trink Aus! Wir Müssen Gehen - Tour 2026

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