Wutzrock Festival – das klingt nach Dosenbier, politischen Botschaften, Moshpits am Deich und einem Line-up, das jedes Jahr aufs Neue überrascht. Bei bestem Wetter hat das Festival einmal mehr gezeigt, warum es seit über vier Jahrzehnten Kultstatus genießt – nicht nur in Hamburg, sondern weit darüber hinaus. 1979 fand das erste Wutzrock noch im Billtal-Stadion statt. Danach fand es an verschiedenen Orten statt. Seit Ende der 1980er zieht es das Festivalgelände idyllisch an den Eichbaumsee in Allermöhe. Zwischen Dove Elbe und Badestrand entstanden Bühnen, Stände, Zeltwiesen und viel Raum für Begegnung. Das Festival verlangt keinen Eintritt und finanziert sich fast ausschließlich über die Einnahmen aus Getränkeverkäufen. Darüber hinaus finanziert sich das Festival über Werbeeinnahmen, sowie über Standmieten der Händler vor Ort. Künstler, die für eine geringe Gage auftreten machen das Ganze ebenso möglich. Ein Ort, an dem Subkultur noch gelebt wird. Ich war für euch vor Ort, um den Vibe dieses besonderen Festivals einzufangen.
Das Wutzrock ist wirklich etwas sehr besonderes. Der Vibe hier ist unvergleichlich – durchweg positiv mit vielen Menschen, die alle eine ähnliche politische und musikalische Einstellung teilen. Außerdem ist es ein Festival für die ganze Familie. Neben politischen Aktionsständen wie Kein Bock auf Nazis oder Omas gegen Rechts findet man hier auch eine Ruhe-Oase für Kids sowie diverse Aktivitäten für Kinder auf dem Festivalgelände.
Rund um den am Gelände gelegenen Eichbaumsee wird gezeltet und sobald das Festivalprogramm durch ist, beginnt hier die Party. Die Veranstalter lobten in diesem Jahr explizit, dass weniger Müll auf dem Gelände und Campingplatz angefallen ist und das der Soli-Beitrag für den Parkplatz so gut angenommen wurde. Auch die Getränkeverkäufe liefen in diesem Jahr richtig gut und so konnten die Veranstalter bereits am Sonntag bekanntgeben, dass das Festival auch im Jahr 2026 wieder stattfinden kann. Die Planungen werden jetzt schon laufen, um wieder ein überzeugendes Line-Up für das Wutzrock Festival zusammenzustellen.

Freitag 08.08. – Überragende Künstler mit Attitüde
Es war für mich das erste Mal beim Wutzrock Festival und trotzdem fühlt man sich hier sofort zuhause. Das gesamte Team ist super nett und alle helfen sich hier gegenseitig. Zwischen den anwesenden Fotografen herrschte sofort gute Stimmung ich konnte mir hilfreiche Tipps über die Gegebenheiten bei den Bühnen von den erfahrenen Fotografen holen. Das Orga-Team und die Bandbetreuung waren sehr hilfreich und haben vorab mit den Bands geklärt, ob diese Fotos haben wollten. Darüber haben sich alle Künstler sehr gefreut
Der Tag startete um 18 Uhr mit Ferales auf der Hauptbühne. Die Band sorgte für einen atmosphärischen Festivalbeginn – mit einem fantasievollen Mix aus elektronischer Musik und traditionellen Elementen. Es war nicht besonders energiegeladen, aber ein stimmungsvoller Auftakt. Auf der Seebühne ging es danach mit mehr Action zu. Lynx aus Hamburg spielten mit ihrem rohen ungeschliffenen Sound eine kraftvolle Portion Power-Rock. Generell spielten auf der Seebühne die etwas kleineren Acts. Diese machten jedoch richtig gute Stimmung und die kleine Bühne macht es familiärer.










Kochkraft durch KMA liefern das erste Highlight des Wochenendes
Direkt im Anschluss kam eins der Highlights dieses Tages aus meiner Sicht. Kochkraft durch KMA rockten die Hauptbühne vor einer beachtlichen Menge, die sich auf dem Platz davor versammelt hatte. Die Band spielte eine intensive Live-Performance und spielte dabei Songs wie Wir fahren schnellerer, Alle Kinder sind tot, Influenzier:innen hassen diesen Trick und Tanz mit Attitüd‘. Das ganze Set wurde gepaart mit politisch klaren Aussagen gegen Rechts. Es war ein wütender Rave, eine anarchische Protestparty mit hohem Spaßfaktor und dichtem Ausdruck. Genau das zeichnet die Band aus: eine Mischung aus Elektropunk, Synthie-Beats, Punk-Attitüde und gesellschaftskritischem Charme.













The Magic Mumble Jumble feiern eine Party mit dem Publikum
Als eine deutsch-niederländische Folk-Pop-Formation mit rund acht Musikern, die Klarinetten, Posaunen, Sousaphon, Trompete sowie Gesang, Piano und Gitarre vereinen, stehen sie für ein liebevolles Miteinander auf der Bühne – getragen von offenen Arrangements und viel positiver Energie. Die Band transportiert eine unglaubliche Energie, bei der die Grenze zwischen Publikum und Band langsam in der Bewegung und Freude verschwindet. Ihr Auftritt bei Wutzrock Festival 2025 war daher mehr als nur ein Konzert – es war ein inspirierender Moment voller Leichtigkeit, Lebensfreude und musikalischer Offenheit. Es macht wirklich Spaß ihnen zuzusehen, wie sie den Auftritt auf der Bühne zelebrieren. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen Ska, Folk und Reggae und macht sofort gute Laune. Eine absolute Empfehlung.















The Red Flags bringen kompromisslosen Punkrock
Nach dem Ruhrpott Rodeo war es bereits das zweite Mal, dass ich die Möglichkeit hatte The Red Flags live zu sehen. Beim Rodeo spielten sie noch als erste Band am Sonntag. Auf dem Wutzrock durften sie zu späterer Stunde spielen und erzeugten auf der kleinen Seebühne eine ganz eigene Stimmung. Die kleine Bühne und die Nähe zum Publikum transportierten eine ganz eigene Energie. Mit ihrem dreckigen Sound, der Elemente aus Punk, Grunge und Alternative Rock vereint, zogen sie das Publikum in ihren Bann. Unabhängig davon wo sie spielen sind sie inzwischen kein Geheimtipp mehr. Sie haben sich durch ihre zahlreichen Festivalauftritte in diesem Jahr in der Musiklandschaft etabliert. Mit ihren feministischen und gesellschaftskritischen Texten sprechen sie wichtige Themen an und verbinden dies mit kraftvollem Garage-Punkrock.








Hinterlandgang brachten auf der Elb-Bühne tiefgründigen, aber kraftvollen Rap aus der mecklenburgischen Provinz, der zwischen Gesellschaftskritik, Alltagsbeobachtungen und kämpferischer Haltung pendelte und das Publikum fesselte. Charlott Green überzeugte schon am Nachmittag auf der See-Bühne mit authentischem Flow, urbaner Energie und genreübergreifenden Beats, die ihre Texte über St. Pauli, Selbstbestimmung und soziale Themen noch stärker unterstrichen. Auch Nikra lieferte ein starkes Set, das laut, kompromisslos und mit einer rebellischen Wucht daherkam, die keine Müdigkeit aufkommen ließ. Diese drei Acts zeigen auch die besondere Vielfalt auf dem Wutzrock Festival – zwischen urbanem Rap und klassischen Punkrock.


















Den Tagesabschluss machten die Beatpoeten, die einen interessanten Mix aus wilden Beats und noch wilderen Texten ablieferten, um den Freitag abzuschließen.
Sonntag 10.08. – Poetry und krachender Abschluss
Da ich am Samstag aufgrund des Elbriot Festivals nicht beim Wutzrock sein konnte, gibt es darüber keinen Bericht. Am Sonntag war ich wieder vor Ort. Der Sonntag begann mit einem Kinderfest auf dem die jüngsten Besucher allerhand Aktivitäten spielerisch erleben konnten, wie zum Beispiel diese Rollenrutsche.

Der erste Programmpunkt am Sonntag war ein Poetry Slam von mehreren talentierten Wortkünstlern. Moderiert wurde das ganze von Rune, den ich hinter den Kulissen kennenlernen durfte und der mir allerhand Interessantes über den Poetry Slam erzählte. Beim Wutzrock war es sicherlich kein normaler Slam. Denn hier wurden Bengalos im Publikum gezündete und auch BH’s oder Blumen auf die Bühne geworfen. Es war eine sehr friedliche Stimmung zu Beginn des Sonntagsprogramms und dabei war im Grunde auch egal, wer am Ende gewinnt. Dennoch wurde über Applaus eine Siegerin gekürt. Isa Bögershausen hat mit ihrem Beitrag die Anwesenden am Meisten begeistert. Dennoch stand der Spaß im Vordergrund.





Punkrock-Party mit Tyna
Mit ihrem charakteristischen Sound, der Synthesizer-Klänge mit Pop- und NDW-Einflüssen kombiniert, und ihren kraftvollen Texten zu Themen wie Rassismus, Sexismus und mentaler Gesundheit, zog die Band das Publikum in ihren Bann. Die aktuelle Besetzung, bestehend aus Sängerin Tina, Bassist Murphy, Keyboarder Freddy, Gitarristin Mia und Schlagzeuger David, zeigte auf der Bühne eine beeindruckende Präsenz und Authentizität. Ihr Auftritt beim Wutzrock Festival war ein weiteres Highlight in ihrer erfolgreichen Festival-Saison 2025, die auch Auftritte beim Deichbrand, Open Flair und Taubertal-Festival umfasste. Gleichzeitig war es der letzte Festivalauftritt dieses Jahr und damit auch der letzte Auftritt mit Keyboarder Freddy. Die Band versucht gerade ihr zweites Album über ein Crowdfunding zu finanzieren und ist Anfang Januar beim SV Tyna Sportfest in Hamburg wieder live zu erleben.











Festivalabschluss mit ON!
ON!, früher auch bekannt als Tequila & The Sunrise Gang, präsentierte einen mitreißenden Auftritt auf der Elb-Bühne. Ihre Mischung aus Indie-Rock, Punk und elektronischen Elementen zog das Publikum in ihren Bann. Mit energiegeladenen Songs und einer dynamischen Bühnenpräsenz sorgten sie für einen unvergesslichen Festivalmoment. Der Auftritt war ein Highlight des Festivals und zeigte die Vielseitigkeit und Kreativität der Band. Gleichzeitig war es der letzte Programmpunkt des Festivals und zum Ende des Sets versammelten sich zahlreiche Helfer und Organisatoren auf der Bühne, um allen zu danken, die mitgeholfen haben, das Festival zu ermöglichen bevor das Festival offiziell beendet wurde und die Abbauarbeiten begannen.









