Poppy in Hamburg: Ein Abend voller Kontraste

Poppy live in Hamburg: Ein Abend voller Kontraste

Poppy Hamburg 2026

Hamburg zeigte sich an diesem Abend von seiner rauen Seite – perfektes Setting für ein Line-up, das sich irgendwo zwischen brachialer Energie und stilistischer Grenzüberschreitung bewegte. Drei Bands die mit ähnlichen, aber doch völlig unterschiedlichen Ansätzen in ihrer Musik performten – und doch ergab alles ein stimmiges Gesamtbild. Das Publikum war an diesem Abend sehr jung im Vergleich zu anderen Shows. Viele waren mit Schleifen im Haar und puppenähnlichen Kleidern zu sehen, um ihrem Idol auf der Bühne nachzueifern. Und Poppy war sichtlich erfreut über das Hamburger Publikum in der ausverkauften Großen Freiheit 36.

Fox Lake eröffnen mit voller Wucht

Den Auftakt machten Fox Lake – und die haben direkt klar gemacht, dass sie nicht zum Aufwärmen hier sind, sondern um Eindruck zu hinterlassen. Sie sind ganz klar darauf aus gewesen, neue Fans zu gewinnen und bei mir hat das funktioniert. Ihr Sound, der sich wie eine Mischung aus Limp Bizkit und Lionheart anhört, animiert sofort dazu mit dem Kopf zum Groove zu nicken. Die Band wurde in Denver, Colorado in 2017 gegründet und war auf dieser Tour mit Poppy das erste Mal außerhalb der USA unterwegs.

Fox Lake Hamburg 2026
Nu Metal, Hardcore und Rap: Ein explosiver Mix

Ihr Mix aus Nu Metal, Hardcore und Hip-Hop-Elementen wirkte live noch einmal deutlich druckvoller als auf Platte. Als ich mir in Vorbereitung zum Konzert einige Songs anhörte, war ich noch nicht sicher, was ich mit dem Sound anfangen sollte. Live haben sie mich dann aber direkt abgeholt. Vor allem die Bass und Schlagzeug schoben gnadenlos nach vorne, während die Vocals zwischen aggressiven Shouts und groovigen Rap-Passagen pendelten. Was sofort auffiel: Diese Band hat Bock. Und das überträgt sich. Das Publikum war früh auf Betriebstemperatur, die ersten Moshpits ließen nicht lange auf sich warten, genauso wie die ersten Crowdsurfer. Für mich waren Fox Lake als Support ganz klar ein Highlight des Abends. Und ich bin sicher, dass sie einige neue Fans gewonnen haben. Schon im Herbst kommen sie wieder nach Europa.

Ocean Grove bringen Chaos und Atmosphäre

Ocean Grove gingen als zweiter Support einen etwas anderen Weg. Die Australier brachten ihre ganz eigene Mischung aus Alternative, Grunge-Vibes, Rap-Parts und elektronischen Einflüssen auf die Bühne. Das wirkte stellenweise verspielt, manchmal fast chaotisch – aber genau darin lag auch das Interessante. Der Auftritt erinnerte mich stellenweise an die aktuellen Metalcore-Überflieger Landmvrks, aber es kommt nicht ganz an die Bandbreite der Franzosen heran. Und hat vor allem seinen eigenen Stil. Tracks wechselten abrupt die Stimmung, von eingängigen Hooks zu starken Breakdowns. Nicht jeder Moment zündete sofort, aber insgesamt lieferten sie ein Set ab, das hängen blieb und neugierig machte.

Ocean Grove Hamburg 2026

Poppy live: Zwischen Pop, Metal und Eskalation

Dann wurde es Zeit für den Headliner – und Poppy ließ sich nicht lange bitten. Pünktlich um 20 Uhr wurde es dunkel im Saal und das Intro begann mit einem Erzähler, der alle Besucher*innen im „House of Poppy“ willkommen hieß. Was folgte, war kein klassisches Konzert, es war eine Demonstration von musikalischer Bandbreite. Das Set begann direkt energiegeladen mit Bruised Sky vom Anfang des Jahres erschienenen Album Empty Hands. Der Song verdeutlichte direkt die Gegensätze, die den modernen Sound von Poppy so spannend machen. Von zarten, fast zerbrechlichen Vocals wechselt es schlagartig auf massive Gitarrenwände, harte Beats und kompromissloses Streaming.

Industrial-Sounds treffen auf zerbrechliche Vocals

Bereits seit Anfang März ist Poppy mit der Constantly Nowhere Tour durch ganz Europa unterwegs. Davor war sie bereits in Australien und im Sommer geht es noch zusammen mit Landmvrks durch Nordamerika. Die lange Zeit auf Tour merkte man der Bühnenshow keinesfalls an. Im Gegenteil: Die Musiker und Poppy selbst wirkten routiniert und spielten eine gute Show. Besonders bei Songs wie Time will tell und dem Bad Omens Cover V.A.N. wurde es laut im Publikum. Gerade bei letzterem sang das Publikum besonders laut „Violence against Nature“ mit. Die Mischung aus weichem, klaren Gesang und brachialen Streams kam beim Publikum gut an. Gepaart mit geschickt gesetzten Stickstoff-Fontänen ergab es eine sehr passende Atmosphäre.

Poppy Hamburg 2026
Live noch intensiver als auf Platte

Live funktionierte das erstaunlich gut. Die Songs wirkten intensiv, direkt und insgesamt weniger klinisch als auf den Studioaufnahmen. Besonders die härteren Tracks entwickelten eine enorme Wucht. Visuell blieb alles eher reduziert, was den Fokus umso stärker auf die Musik lenkte. Außer den Stickstoffkanonen gab es noch eine Konfettiexplosion zum Ende des Sets. Das Publikum in Hamburg zeigte sich begeistert von der Show. Zwischen Headbangen und verträumtem Mitwippen war alles dabei und war ein Spiegelbild dessen, was auf der Bühne passierte.

Der Abend war nicht geprägt von Genre-Grenzen, sondern davon neue Genres zu prägen und wenn man das mag, ist man bei diesen Bands genau richtig.

Setlist Poppy
Poppy Setlist Grosse Freiheit 36, Hamburg, Germany 2026, Constantly Nowhere

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