Die deutsche Livebranche macht Druck auf die Politik: Gemeinsam haben der BDKV – Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft und PRO MUSIK – Verband freier Musikschaffender e.V. einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie eine deutlich strengere Regulierung des Ticketzweitmarkts fordern. Unterstützt wird die Initiative von verschiedenen Unternehmen, Verbänden und zahlreichen Künstler*innen der deutschen Musikszene.
Im Abschnitt über die, den Brief unterzeichnenden Künstler*innen und Musikschaffenden finden sich namhafte Bands, Einzelkünstler*innen und Veranstalter*innen, die den offenen Brief unterstützen.

Zu den bekanntesten Unterstützer*innen gehören unter anderem:
- Die Toten Hosen
- Die Ärzte
- Nina Chuba
- K.I.Z
- Beatsteaks
- Kraftklub
- AnnenMayKantereit
- Feine Sahne Fischfilet
- Donots
- Deichkind
- Tocotronic
- Johannes Oerding
- Swiss und die Andern
Worum geht es in dem offenen Brief?
Im Zentrum der Kritik steht der aus Sicht der Unterzeichner „ungezügelte Ticketzweitmarkt“. Gemeint sind Plattformen wie Viagogo oder Ebay, auf denen Konzerttickets oft zu massiv überhöhten Preisen weiterverkauft werden. Laut dem Brief würden Tickets teilweise bereits vor dem offiziellen Vorverkaufsstart angeboten – obwohl die Verkäufer die Karten noch gar nicht besitzen.
Die Branche kritisiert dabei vor allem:
- extreme Preisaufschläge von teilweise über 250 Prozent,
- den Einsatz von Bots zum massenhaften Ticketkauf,
- sogenannte Leerverkäufe,
- gefälschte Tickets,
- mangelnde Transparenz auf Zweitmarktplattformen.
Die Unterzeichner machen deutlich, dass die zusätzlichen Einnahmen nicht bei Künstler*innen, Crews oder Veranstaltern landen, sondern bei Zwischenhändlern und Spekulanten. Fans würden dadurch ausgeschlossen oder sogar betrogen.

Diese Forderungen stellt die Livebranche
Der offene Brief fordert die Bundesregierung dazu auf, schnell ein Gesetz zur Regulierung des Ticketzweitmarkts auf den Weg zu bringen. Dabei berufen sich die Verfasser*innen auf den Koalitionsvertrag zur aktuellen Legislaturperiode, in dem klar formuliert wurde: „Die Bundesregierung will den Ticketzweitmarkt für Sport- und Kulturveranstaltungen stärker regulieren, um Verbraucherinnen und Verbraucher vor überhöhten Preisen, Intransparenz und betrügerischen Verkaufspraktiken zu schützen und Veranstalter besser in die Lage zu versetzen, sich gegen unlauteres Verhalten von Ticketspekulanten zur Wehr zu setzen.“
Konkret werden unter anderem folgende Maßnahmen verlangt:
1. Veranstalter sollen selbst bestimmen dürfen, auf welchen Plattformen Tickets weiterverkauft werden dürfen. 2. Preisaufschläge sollen auf maximal 25 Prozent begrenzt werden. 3. Leerverkäufe sollen verboten werden. 4. Bots und Fake-Accounts beim Ticketkauf sollen verboten werden. 5. Plattformen sollen zu vollständiger Transparenz verpflichtet werden. 6. Rechtswidrige Angebote sollen schneller entfernt werden können.
Als Vorbilder nennt der Brief Länder wie Frankreich, Großbritannien, USA, Belgien oder Italien, in denen der Ticketzweitmarkt bereits deutlich stärker reguliert wird.
„Tickets dürfen keine Spekulationsobjekte sein“
Der zentrale Satz des offenen Briefs bringt die Haltung der Unterzeichner auf den Punkt: Konzerttickets seien keine Spekulationsobjekte, sondern ein Versprechen an Fans, Kultur zu fairen Preisen erleben zu können. Die Branche fordert deshalb ein schnelles politisches Handeln und verweist dabei auch auf entsprechende Ankündigungen im aktuellen Koalitionsvertrag.
Über die Initiatoren
PRO MUSIK – Verband freier Musikschaffender e.V. ist ein bundesweiter Verband zur Interessenvertretung freischaffender Musiker*innen. Der 2021 gegründete Verband setzt sich unter anderem für faire Arbeitsbedingungen, bessere soziale Absicherung und kulturpolitische Themen in der Musikbranche ein.
Der BDKV – Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft vertritt die deutsche Live- und Veranstaltungsbranche. Zu den Mitgliedern zählen Veranstalter*innen, Festivals, Clubs und Konzertagenturen. Der Verband engagiert sich seit Jahren politisch gegen Ticketbetrug und überhöhte Preise auf dem Ticketzweitmarkt.
Offener Brief im Original
Der vollständige offene Brief kann hier gelesen werden:


