Match Börner Open Air 2026: Wilde Hobby Horses und ein würdiger Headliner an Tag 2

Der Samstag begann zunächst wieder mit der Fahrt aus dem Hamburger Stadtgebiet nach Norderstedt. Dieses Mal waren wir jedoch besser vorbereitet und fanden eine Verbindung, mit der wir innerhalb von einer Stunde am Festivalgelände ankamen und erstmal die Stimmung auf dem Gelände aufsogen. Zu dem Zeitpunkt ca. 40 Minuten vor Programmbeginn waren noch nicht viele Besucher*innen auf dem Festivalgelände. Eine Person sicherte sich bereits einen Platz in der ersten Reihe vor der Bühne, während andere noch die Schattenplätze an den Essens- und Getränkebuden belegten und mit dem Mittagessen und Getränken starteten. Für manche dürfte es auch das Frühstück gewesen sein. Auch der direkt vor dem Festivalgelände gelegene Stadtparksee lud nochmal zu einer Abkühlung ein, bevor das Programm mit Edelgift losging.

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Das Rahmenprogramm beim Match Börner Open Air hatte auch generell einiges zu bieten. Neben den bereits im Bericht zu Tag 1 erwähnten DeinTopf e.V. und Kein Bock auf Nazis fanden sich auf dem Gelände auch Stände von weiteren politischen und gemeinnützigen Organisationen. Bei Norderstedt ist weltoffen konnten die Besucher*innen Diskussionspunkte und Maßnahmen gewichten und wenn sie wollten darüber diskutieren. Am Stand des MC Kuhle Wampe konnte man mit politisch interessierten Motorradfahrern reden. Darüber hinaus war eine vielfältige Auswahl für Essen und Trinken vorhanden, von afrikanischen Spezialitäten über das klassische Handbrot bis zur Spanferkelbox wurden hier alle Besucher*innen fündig.

Auch ein Hobby Horsing Areal wurde auf dem Gelände aufgebaut mit einem Turnier, dass am Samstag Nachmittag vor dem Auftritt von Rantanplan ausgetragen wurde und bei denen kleine und große Besucher*innen mit voller Energie und teilweise im Team mit den Eltern eine starke Performance zeigten. Die Veranstalter haben sich einiges einfallen lassen, um den Gästen ein buntes Programm bieten zu können.

Giftgrüner Einstieg in den Tag

Den musikalischen Teil des zweiten Festivaltages eröffneten Edelgift aus Hamburg. Mit giftgrünen Akzenten in der Kleidung von Sängerin Elli und einem ebenso grünen Schriftzug auf dem Banner fielen sie direkt ins Auge. Die Band Rock mit deutschen Texten. Im Vorfeld war es gar nicht so einfach, etwas über die Band in Erfahrung zu bringen. Denn auf dn großen Streaming-Plattformen gibt es nur eine EP mit drei veröffentlichten Songs. Diese Band setzt also ganz klar auf das Live-Erlebnis und sie gehören fast schon zum Inventar des Match Börner Open Air. Bisher haben sie bei jeder Ausgabe den zweiten Tag eröffnet. Mit Spielfreude und interessanten Texten haben sie hier definitiv Fans im Publikum gefunden. Auch wenn das Gelände zu dieser frühen Uhrzeit noch nicht ganz gefüllt war, wärmten sie das anwesende Publikum gut auf für die folgenden Acts.

Galerie Edelgift

Der Butterwegge setzte das erste Ausrufezeichen des Tages

Der namensgebende Sänger Carsten Butterwegge und seine Band waren der nächste Programmpunkt und wurden bereits mit Freude erwartet. Mit Songs wie Kein Bock waren sie mir direkt von Anfang an sympathisch. Neben seiner Tätigkeit als Sänger ist Carsten auch politisch aktiv und kandidierte 2021 für DIE PARTEI für den Bundestag und saß für die Partei im Stadtrat von Moers. Sympathisch war die Ansage an das Publikum, dass niemand seine Freunde oder generell Menschen zum Alkohol trinken überreden sollte. Er selbst trinkt gerne mal ein Bier und bezeichnet die Musik der Band auch gerne als Alko-Pop, aber jede*r sollte es selbst entscheiden dürfen. Die Band versprühte eine Energie, die auch unmittelbar ins Publikum übersprang und auch bei den heißen Temperaturen für staubige Circle Pits sorgte.

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Den Höhepunkt erreichte das Set beim Song Tanzende Punks, bei dem lautstark mitgesungen wurde und der ganze Platz tanzte. Die Band hat erst im Februar ihr Album Liebe & Revolte veröffentlicht. Egal wo sie auftauchen, versprühen sie eine unbändige Spielfreude und sind in der Punkrock-Szene bekannt und beliebt. Wir haben sie hier zum ersten Mal live erlebt und können diesen Eindruck nur bestätigen. Ein Auftritt vom Butterwegge lohnt sich immer.

Galerie Butterwegge

Elfmorgen ohne Banner aber mit deutlichem Zeichen

Die Punkrock-Band aus Friedberg in Hessen setzte im Anschluss direkt dort an, wo Butterwegge aufgehört hatte. Mit ihren melodischen Songs, kraftvollen Gitarren und mitreißenden Texten sorgten auch sie für reichlich Bewegung vor der Bühne. Bereits mit Zeilen wie „Wenn ich groß bin, werd ich Kapitän – auf der MS Leck mich am Arsch“ hatte die Band das Publikum sofort auf ihrer Seite. Beim Song Oberlippenbart wurden passend zur Textzeile „Das Leben ist hart ohne Oberlippenbart“ spontan selbstklebende Schnurrbärte im Publikum verteilt. Niemand nahm sich hier allzu ernst – entsprechend ausgelassen war die Stimmung, und die Fans grölten nahezu jeden Song lautstark mit.

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Für einen zusätzlichen Lacher sorgte Sänger Andy Schmaus mit der Anekdote, dass die Band ihr Bühnenbanner zu Hause vergessen hatte. Kurzerhand fragte sie am Stand von „Kein Bock auf Nazis“ nach einer Alternative – und so wurde deren Flagge kurzerhand zum Banner umfunktioniert. „Etwas Stabileres gibt es schließlich nicht“, scherzte Schmaus unter dem Applaus des Publikums.

Elfmorgen waren für uns eine Live-Premiere und hinterließen einen durchweg positiven Eindruck. Auch wenn die Band auf große Showeinlagen verzichtete, machten ihre ehrlichen Texte, eingängigen Melodien und die spürbare Spielfreude deutlich, warum sie seit inzwischen 30 Jahren fester Bestandteil der deutschen Punkrock-Szene sind und ihr Publikum noch immer mühelos begeistern.

Galerie Elfmorgen

Die Köter und das unbekannte Pferd

Der vierte Programmpunkt des Tages brachte schließlich fetzigen Ska-Punk auf die Bühne. Rantanplan sind Hamburger Lokalmatadore und den meisten Anwesenden bestens bekannt. Umso überraschender war es, dass die Band in diesem Jahr zum allerersten Mal beim Match Börner Open Air auftrat. Dabei standen sie in einer etwas reduzierten Besetzung auf der Bühne als bei anderen Konzerten, auf denen wir sie zuletzt erlebt haben – etwa beim Heimspiel im vergangenen Jahr. Dem Auftritt war das jedoch zu keinem Zeitpunkt anzumerken.

Die Band um Sänger und Gitarrist Torben, Bassist Kalle, Schlagzeuger Marlon, Trompeter Wido und Posaunist David spielte mit gewohnt hoher Intensität und riss das Publikum von Beginn an mit. Besonders Posaunist David war gefühlt überall gleichzeitig zu finden. Beim Song Unbekanntes Pferd stieg er auf die Schultern von Bassist Kalle, der – passend zum Song – wieder einmal als Pferd verkleidet über die Bühne lief. Im Publikum machten es ihm zahlreiche Besucherinnen gleich, saßen auf den Schultern ihrer Freundinnen und feierten die Band ausgelassen.

Bei Klassikern wie Hamburg, 8 Grad, Regen wurde es besonders laut – auch wenn der Song an diesem Tag zumindest meteorologisch überhaupt nicht passte. Statt Regen strahlte die Sonne über dem Stadtpark und sorgte dafür, dass die Getränkestände regelmäßig angesteuert wurden.

Zwischen den Songs fand Sänger Torben zudem klare politische Worte. Er betonte, wie wichtig es sei, in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben, laut gegen Ungerechtigkeit einzustehen und dem erstarkenden Faschismus – auch in Deutschland – entschlossen entgegenzutreten. Diese Botschaft passte ebenso gut zum Auftritt wie die ausgelassene Stimmung davor. Sogar eine Polonaise zog schließlich durch das Publikum und hob die ohnehin schon ausgelassene Festivalstimmung noch einmal auf ein neues Level. Dass Rantanplan ausgerechnet 2026 ihre Premiere beim Match Börner Open Air feierten, wirkte am Ende fast erstaunlich – schließlich passte die Band perfekt zum familiären und punkigen Charakter des Festivals.

Galerie Rantanplan


Adam Angst? Keine Angst – nur Moshpits und laute Hymnen

Mit Adam Angst folgte anschließend einer der intensivsten Auftritte des gesamten Festivals. Die Band um Frontmann Felix Schönfuss verbindet druckvollen Punkrock mit markantem Gesang und gesellschaftskritischen Texten. Damit brachte sie eine deutlich kantigere Note auf die Bühne des Match Börner Open Airs. Musikalisch ging es kompromisslos nach vorne.

Adam Angst Match Börner Open Air 2026 04

Vor der Bühne wurde ausgelassen gepogt und lautstark mitgesungen, gleichzeitig nahm sich Felix immer wieder Zeit für Ansagen zwischen den Songs. Auf der Bühne gab es kaum eine Verschnaufpause: Die Gitarristen Roman und Christian waren ständig in Bewegung, während Felix die Texte mit voller Intensität ins Publikum schleuderte. Gerade diese ungefilterte Wucht machte den besonderen Reiz des Auftritts aus und riss die Zuschauerinnen und Zuschauer förmlich mit.

Auch musikalisch ließen Adam Angst keine Wünsche offen. Songs wie Splitter von Granaten und die Professoren wurden zum Ende des Sets laut mitgesungen. Aber auch neuere Songs wie Wir sind zusammen kamen gut beim Publikum an. Mit ihrer energiegeladenen Performance hielten sie das hohe Niveau des Tages mühelos aufrecht und lieferten einen Auftritt ab, der sowohl musikalisch als auch inhaltlich lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Galerie Adam Angst

Setlist Adam Angst
Adam Angst Setlist Match Börner Open Air 2026

Schmutzki feierten die Beste Bar der Stadt

Als letzte Band vor dem Headliner Royal Republic übernahmen Schmutzki die Bühne und sorgten für den wohl größten Punkrock-Moment des Tages. Bereits vor dem ersten Song heizte Moderatorin Pia die Menge an, ging direkt ins Publikum und forderte das erste Circle Pit des Schmutzki-Auftritts. Die Fans ließen sich nicht zweimal bitten und bescherten der Band einen fliegenden Start.

Schmutzki nahmen diese Energie dankend an und verwandelten den Bereich vor der Bühne innerhalb weniger Minuten in ein Meer aus springenden, tanzenden und feiernden Menschen. Spätestens bei „Zeltplatz Baby“ gab es kein Halten mehr. Der Refrain wurde lautstark mitgesungen und die Stimmung erreichte einen weiteren Höhepunkt.

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Dass Schmutzki für ihre publikumsnahen Shows bekannt sind, bewiesen sie gleich mehrfach. Während des Sets stürzte sich Sänger Beat mit dem Mikrofon mitten in einen Circle Pit und feierte gemeinsam mit den Fans, bevor er per Crowdsurfing zurück zur Bühne flog. Nur um direkt im Anschluss wieder zurückzukehren und dieses Mal mit Gitarre. Während sich die Fans im Kreis um ihn herum auf den Boden setzten oder knieten, spielte er den Song 1000 Feuer mitten in der Menge, umgeben von Seifenblasen. Es war ein nahezu magischer Moment. Bassist Dany sorgte auf der Bühne immer wieder für intensive Momente. Seine Bass-Gitarre war passend als zorniges Gebiss gestaltet und seine Ausstrahlung wirkte passend dazu, als könnte er die Menge förmlich auffressen.

Mit ihrer Mischung aus eingängigen Punkrock-Hymnen, viel Humor und einer gehörigen Portion Chaos lieferten Schmutzki den perfekten Übergang zum Headliner des Abends. Nach diesem Auftritt war die Stimmung im Stadtpark Norderstedt endgültig auf Anschlag.

Royal Republic – Ein würdiger Headliner zum Abschluss des Wochenendes

Mit Royal Republic stand schließlich der Headliner des ersten Festivaltages auf der Bühne – und die schwedischen Rocker wurden dieser Rolle mehr als gerecht. Vom ersten Song an bewiesen sie, warum sie seit Jahren zu den beliebtesten Live-Bands Europas zählen. Druckvolle Gitarrenriffs, eingängige Hooks und der unverwechselbare Mix aus Rock, Garage und einer Prise Disco sorgten dafür, dass sich die letzten Kraftreserven im Publikum noch einmal mobilisieren ließen.

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Frontmann Adam Grahn führte mit viel Charisma und einer gehörigen Portion Humor durch das Set. Immer wieder suchte er den Kontakt zum Publikum, das die Band lautstark feierte und jeden Song begeistert aufnahm. Auch die übrigen Bandmitglieder überzeugten mit sichtbarer Spielfreude und einer perfekt aufeinander abgestimmten Performance. Trotz des langen Festivaltages war vor der Bühne kein Anzeichen von Müdigkeit zu erkennen – stattdessen wurde getanzt, gesprungen und mitgesungen, als hätte das Festival gerade erst begonnen.

Spätestens bei Hits wie Tommy-Gun, Baby undFull Steam Spacemachine “ verwandelte sich der Stadtpark Norderstedt endgültig in eine einzige große Party. Auch zwischenzeitliche Aussetzer beim Sound konnten diese Party nicht bremsen und die Behebung dauerte nicht lange bis es weitergehen konnte. Überraschend war, dass die Band ihre inneren Heavy-Metal-Kinder rausholte und Battery von Metallica in Gänze coverte. Royal Republic schafften es insgesamt mühelos, Rockshow und Entertainment miteinander zu verbinden, ohne dabei ihre musikalische Qualität aus den Augen zu verlieren. Die Band schafft es einfach immer gute Laune zu erzeugen.

Nach einem ohnehin schon starken ersten Festivaltag setzten die Schweden mit ihrer energiegeladenen Show den perfekten Schlusspunkt. Bevor die Band jedoch von der Bühne ging performten sie in den letzten 1,5 Minuten noch a capella auf Deutsch den Song Heute schütte ich mich zu von Karl Dall. Das Publikum verabschiedete die Band mit lang anhaltendem Applaus und machte sich gut gelaunt auf den Heimweg – oder zurück auf den Campingplatz.

Galerie Royal Republic

Setlist Royal Republic
Royal Republic Setlist Match Börner Open Air 2026

Es war ein sehr schönes Festival, dass mit viel Herzblut von einem engagierten Team organisiert und durchgeführt wurde und wir können nur jedem empfehlen, im nächsten Jahr das Match Börner Open Air zu besuchen. Denn auch 2027 steht wieder ein massives Punkrock-Programm auf dem Plan. Der erste Headliner wird Der Wizo. Darüber hinaus sind Tyna, Hi Spencer!, Engst, Jack Pott Hinterlandgang und viele weitere dabei. Das verrieten die Organisatoren als ersten Anreiz bereits vor dem diesjährigen Headliner. Wir werden darüber berichten, sobald die Bands offiziell veröffentlicht wurden.

Carries Festival-Kommentar: Tag 2 des MBOA

Der zweite Tag startete für mich recht spät mit Adam Angst, die wie gewohnt toll performten, und Schmutzki knüpften nahtlos daran an. Headliner des Tages waren Royal Republic, auf die ich mich am meisten gefreut habe. Ich mag an den Schweden sehr ihren teilweise von den 80ern inspirierten Stil, ihre Vielfalt auf der Bühne und ihren Humor. Vor einigen Jahren hatten wir die Gelegenheit, sie bei einem Album Pre-Listening persönlich zu treffen. Der unheimlich sympathische Eindruck von damals prägt bis heute meine besondere Verbindung zu ihnen. In jedem Fall immer ein Garant für gute Stimmung, viel tanzen und mitsingen.

Alles in allem war es ein tolles Festival-Wochenende vor unserer Haustür, das sich lohnt zu wiederholen.

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