Jamel rockt den Förster 2026: Der erste Tag fiel ins Wasser aber die Stimmung blieb stabil

Jamel rockt den Förster – Jamel – 04.09.2026

Jamel rockt den Förster 2026

Mitten in Mecklenburg-Vorpommern liegt das kleine Dorf Jamel, das seit den 1990er-Jahren als Treffpunkt der rechtsextremen Szene bekannt ist. Als Birgit und Horst Lohmeyer 2004 in den Ort zogen, entschieden sie sich, der Entwicklung nicht tatenlos zuzusehen. 2007 veranstalteten sie auf ihrem Forsthof erstmals ein kleines Sommerfest mit Freunden und Bekannten. Daraus entwickelte sich mit „Jamel rockt den Förster“ ein Festival, das heute weit über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus bekannt ist und mit Musik, Begegnung und Kultur ein Zeichen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus setzt.

Was damals im kleinen Kreis begann, ist inzwischen eine feste Größe im deutschen Festival- und Kulturbetrieb. Auch wenn es sich hierbei inzwischen nicht mehr um eine Konzertveranstaltung handelt sondern seit 2025 um eine politische Versammlung. Dieser Schritt wurde notwendig, nachdem die zuständige Gemeinde für die Nutzung kommunaler Flächen plötzlich rund 8000,- Pacht verlangte. Trotzdem treten hier weiterhin Namhafte Künstlerinnen und Künstler auf, viele von ihnen verzichten dabei auf ihre Gage und machen Jamel für ein Wochenende zu einem Ort des friedlichen Protests.

Das Festival steht dabei für eine besondere Form des Widerstands: nicht mit Parolen und erhobenen Zeigefingern, sondern mit Musik, Gemeinschaft und der Überzeugung, dass man sich einen Ort nicht von Rechtsextremen nehmen lassen darf. Das Besondere ist hier außerdem, dass die auftretenden Künstler*innen vorher nicht bekannt gegeben werden und erst klar ist wer auftritt, wenn der Vorhang auf der Bühne fällt. Neben dem musikalischen Angebot gibt es vor Ort Informationsstände verschiedener Organisationen, die zum Diskutieren und Informieren einladen.

So wird sichergestellt, dass die Fans vor Ort wegen der Sache dort sind und nicht wegen einzelnen Künstler*innen.

Das Wetter spielte nicht mit beim ersten Tag von Jamel rockt den Förster 2026

In diesem Jahr spielte das Wetter leider nicht mit. Ausgiebige Regenschauer gingen auf das Gelände sowie die Camping- und Parkflächen nieder. Soviel, dass die Anreise bereits nach kurzer Zeit gestoppt werden musste, weil sich auf der Wiese für Camping und Parken an einigen Stellen bereits tiefe Matsch-Rinnen bildeten. Anreisende wurden an der Kreuzung zur Abbiegung nach Jamel von Polizisten empfangen, die die schlechte Nachricht überbringen mussten. Autofahrer*innen sollten in die umliegenden Orte und Parkplätze ausweichen und dort abwarten, bis neue Informationen vorliegen.

Jamel rockt den Förster 2026 Matsch

Die Veranstalter*innen hatten zunächst den Einlass von 12 Uhr auf 13:30 verschoben. Kurz nach 13 Uhr stand jedoch fest, dass der Beginn der Veranstaltung verschoben werden muss. In regelmäßigen Abständen saßen die Verantwortlichen zusammen und gaben Updates über den Instagram-Kanal bekannt. Währenddessen harrten die Besucher*innen geduldig auf den Ausweichparkplätzen oder wenn sie unterwegs bereits angehalten haben dort aus, wo sie gerade waren und warteten auf Neuigkeiten.

Jamel rockt den Förster 2026 Waldweg

Wir machten uns gegen 15 Uhr auf den Weg durch den Wald Richtung Gelände, um uns ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Dort angekommen waren zu unserer Überraschung sogar einige Zelte und Fahrzeuge auf den Flächen zu sehen. Im Gespräch zeigte sich, dass diese Besucher*innen Glück hatten und noch auf die Fläche kamen bevor die Anreise gestoppt werden musste. Auch die Bändchenausgabe wurde nicht gestartet, da bis zuletzt unklar war, ob das Festival stattfinden kann. Um ca. 16:40 kam dann endgültig die schlechte Nachricht von den Veranstalter*innen, dass an diesem Tag keine Anreise und auch kein Programm bei Jamel rockt den Förster 2026 stattfinden wird. Doch zu unserer Überraschung brachen hier keine Proteste aus und es flossen auch keine Tränen. Die anwesenden Personen haben diese Tatsache sofort akzeptiert und entweder den Heimweg angetreten oder es sich vor Ort gemütlich gemacht. Auch das macht Jamel rockt den Förster aus: Eine Gemeinschaft die zusammenhält und Verständnis zeigt.

Der Grund für die Absage war, dass LKW mit Bühnentechnik aufgrund des schlechten Zustands der Zufahrtswege das Gelände nicht erreichen konnten und somit die Grundlage für die Veranstaltung nicht geschaffen werden konnte.

Jamel rockt den Förster 2026 Campingplatz

Einmal vor Ort zeigte ich meiner Begleitung auch den Ort Jamel – und dabei nicht nur ein Zeichen dafür, dass einige der Nachbarn von Birgit und Horst Lohmeyer rechtsextrem eingestellt sind und dies auch selbstbewusst nach außen zeigen. Auf einem Zaun hängen Soldatenhelme, auf dem Dach weht eine Reichsflagge und davor steht ein großes Plakat mit der Aufschrift „Love Jamel Hate Communism“ und dem Untertitel „Jamel scheißt auf den Förster“. Wir verzichten an dieser Stelle bewusst auf Bilder. Das Festival steht dieser rechtsextremen Ideologie klar entgegen: Die Besucher*innen kommen nach Jamel, um gemeinsam ein Zeichen für Demokratie, Vielfalt und eine offene Gesellschaft zu setzen – und deutlich zu machen, dass Rechtsextremismus nicht unwidersprochen bleiben soll.

Schwerer Rückweg ohne Musik aber mit gutem Gefühl

Wer am ersten Tag bei Jamel rockt den Förster 2026 gespielt hätte, ist zum Zeitpunkt des Beitrags weitgehend unbekannt. Lediglich die Gruppe MEUTE, die Techno und Blasmusik zu einem energiegeladenen Live-Sound verbindet, hat sich bei Instagram traurig über die Absage geäußert, da sie gerne ihren geplanten Auftritt gespielt hätten. Trotzdem zeigten sie Verständnis für die Entscheidung und hoffen den Auftritt nachholen zu können. Wer darüber hinaus auf der Bühne des Forsthofs gestanden hätte, bleibt offen.

Der Rückweg zum Auto fühlte sich noch viel länger an, als der Weg zum Gelände. Und trotzdem gingen wir mit einem guten Gefühl zurück. Denn Jamel rockt den Förster und die Fans lassen sich von schlechtem Wetter und sogar einer Absage nicht die gute Laune verderben und feiern einfach trotzdem weiter. Nach der Absage öffnete die Pastorin der umliegenden Kirchen diese auch für Gäste, die kein Zelt aufbauen konnten oder wollten bei den Wetterverhältnissen. Unter dem Instagram-Beitrag zur Absage finden sich ausschließlich aufbauende und positive Kommentare. Alle drücken gemeinsam die Daumen, dass das Festival am zweiten Tag stattfinden kann. Insbesondere an diesem wichtigen Wochenende mit den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt wäre das sehr wichtig, um ein Zeichen zu setzen, dass die Zivilgesellschaft weiterhin laut ist.

In diesem Sinne gab es diesmal leider keinen Konzert-/Festivalbericht von Jamel rockt den Förster 2026, aber einen kleinen Eindruck von den Verhältnissen vor Ort.

Weitere Konzertberichte gibt es hier

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