Am 23.11. wartete ein besonderes Highlight auf Fans des Hardcore-Punks im Heidekreis. Ignite aus Kalifornien haben sich angekündigt und machten im Rahmen ihrer aktuellen Tour Halt in Schneverdingen. Erst zwei Tage vorher spielten sie als Support für die Donots in der ausverkauften Halle Münsterland und im Dezember unterstützen sie die Emil Bulls auf deren Tour. Die Zeit dazwischen nutzen sie für mehrere kleine eigene Shows, eine davon im Kulturhaus Alte Schlachterei. Das Kulturhaus im Zentrum der Stadt ist noch recht jung und hat Konzerte dieser Kategorie noch nicht erlebt.
Warm-Up mit Ash Return
Bevor die Kalifornier die Bühne betraten, durften jedoch Lokalhelden auf die Bühne. Ash Return wärmten den Raum und das Publikum ordentlich auf. Die Band aus Walsrode kennt den Heidekreis und bringt langjährige Erfahrung im Hardcore-Punk mit. Sie selbst hat ihren Stil früher als „Swordcore“ bezeichnet. Bassist Frank Kurowski ist sogar in Schneverdingen aufgewachsen. Aus den 2019 aufgelösten Miozän hervorgegangen, steht Ash Return heute für puren Hardcore-Punk. Während die meisten Bandmitglieder im Norden Deutschlands verteilt sind, wohnt Sänger Sebastian „Hirschi“ Hirsch in Leizig. Trotz der Entfernung proben sie so oft es geht gemeinsam und Hirschi, auch bekannt aus der Band Baribal, ist eine tolle Ergänzung.
Das Publikum zeigte sich während des Sets von Ash Return noch etwas zurückhaltend. Vor der Bühne wurde viel Platz gelassen, den Sänger Hirschi direkt einnahm und das Moshpit selbst startete. Im Laufe des Konzerts nutzten dann auch weitere Besucher:innen die Möglichkeit, ordentlich zu moshen. Insgesamt war es eine energiegeladene Show, die Lust auf mehr gemacht und die Wände der Alten Schlachterei zum Wackeln gebracht hat.
Melodic-Hardcore-Eskalation mit Ignite
Um 20 Uhr war es dann endlich soweit und der Moment, auf den die anwesenden Fans in Schneverdingen wochenlang hingefiebert haben, stand bevor. Das Intro lief. Währenddessen bereiteten sich die vier Bandmitglieder Eli Santana, Brett Rasmussen, Nik Hill und Craig Anderson hinter der Bühne vor. Eli wärmte sich mit ein paar Sprüngen auf, während die anderen drei sich an den Backstage-Türen positionierten. Dann ging es auch schon direkt los und vom ersten Song Veteran an gab es im Raum kein Halten mehr. Vor der Bühne entbrannte ein wildes Moshpit und das Publikum schubste sich gegenseitig in Ekstase. Während des Sets gab es wenig politische Aussagen. Sänger Eli machte aber darauf aufmerksam, dass aktuell viel Spaltung in der Welt passiert und es wichtig ist, dass ein Zusammenhalt existiert. Die Band spielte über die Setlist Songs aus ihrem gesamten Katalog. Insbesondere die neueren Songs This Day und The Butcher in Me haben mir besonders gut gefallen.
Das Publikum feierte jeden Song ab und der Raum heizte sich schnell auf. Draußen wurde es dagegen immer kälter und es fiel sogar der erste Schnee des Jahres und hüllte Schneverdingen in Weiß. Bassist Brett huldigte im Set auch dem Support Act Ash Return, die sie schon seit der Zeit, als sie noch Miozän waren, kennen und damals bereits gemeinsam die Bühnen der Republik bespielten. Zum Ende des Sets stellte Brett auch die restlichen Mitglieder von Ignite noch einmal vor, auch wenn jede:r Anwesende diese natürlich kannte. Beim vorletzten Song Fear is our Tradition wurde es dann richtig wild, als gleich mehrere Besucher:innen auf die flache Bühne stiegen, um von dort ins Publikum zu springen. Und auch Sänger Eli ließ es sich nicht nehmen, selbst spontan auf die Menge zu springen. In der Zugabe spielten sie Live for Better Days, ein Song, der mich immer wieder emotional berührt. Eli und Brett gingen für den Anfangsteil ins Publikum und sagen gemeinsam mit den Besucher:innen bevor sie zurückkehrten und den Rest des Songs alle gemeinsam spielten.
Es war schön zu sehen, wie vertraut die vier miteinander umgehen. Auch, wenn Eli erst seit 2021 dabei ist, wirken sie inzwischen wie eine Familie. Ich habe mich sehr gefreut, die Jungs zu treffen und auch im Anschluss an die Show mit ihnen zu sprechen. Besonders lustig war der Austausch über Fantasy Football und Baseball mit Brett, der genauso involviert ist wie ich und in mehreren Ligen spielt.
Ignite arbeiten aktuell auch an neuem Material und so dürfen wir uns hoffentlich bald auf neue Musik der Melodie Hardcore Legenden aus Kalifornien freuen.
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