Elbriot Festival 2025 – Gitarren-Gewitter mitten in Hamburg

Hamburg verwandelte sich am 9. August 2025 wieder in einen Treffpunkt für Rock- und Metal-Fans beim Elbriot Festival 2025. Seit seiner Premiere 2013 hat sich das Festival binnen kürzester Zeit als feste Größe im deutschen Metal‑Sommer etabliert. Das Festival findet üblicherweise nur an einem Tag statt und bietet somit die perfekte Ausgangslage für Hamburger Metalfans und solche aus der Umgebung für einen Ausflug und anschließenden Kiezbesuch. Die allererste Ausgabe war damals in Windeseile ausverkauft – rund 14.000 Fans feierten damals Metal‑Veteranen wie Slayer, Killswitch Engage und Trivium inmitten logistischer Herausforderungen, die die Veranstalter mit veränderten Einlasskonzepten und weniger Barrieren in den Folgejahren smart gemeistert haben.

Die diesjährige Ausgabe war bereits die zehnte dieses Open‑Air‑Spektakels am Hamburger Großmarkt und bot ein Lineup, das Genre-Vielfalt und Legendenstatus vereint hat: Die Nu‑Metal‑Ikonen Papa Roach, die deutschen Thrash‑Götter Kreator und Kerry King – ehemals Slayer und nun mit starker Solo‑Power – gaben sich die Ehre. Glam‑Rock traf auf harte Riffs mit Kissin’ Dynamite, während virale Newcomer wie Future Palace, die melodischen Schweden von Smash Into Pieces, die rotzigen Punk‑Pop‑Legenden The Chats sowie Siamese das Line‑up stilistisch bereicherten.

Die Anreise in Hamburg ist wie immer unkompliziert verlaufen. Mit der S-Bahn zur Haltestelle Hammerbrook und von dort setzte sich der Strom überwiegend schwarz gekleideter Menschen schon in einer Richtung in Bewegung, so dass man das Festival nicht verfehlen kann, wenn man zum ersten Mal dort ist. Am Eingang bildete sich eine sehr lange Schlange und es war anfangs zu befürchten, das wir nicht rechtzeitig für die erste Band Siamese vor der Bühne sein würden, aber es verteilte sich dann noch recht gut, auch dank Ansagen der Security am Einlass und so waren wir dann doch noch rechtzeitig auf dem Gelände. Viele standen allerdings auch noch an. Hier wäre ein früherer Einlass auf das Gelände hilfreich (Der Einlass war um 11:30 Uhr). Das Wetter präsentierte sich von seiner besten Seite im Vergleich zu den Wochen davor und die Sonne strahlte auf den Großmarkt.

Siamese

Für die erste Band versammelte sich schon eine beachtliche Menge vor der Bühne zu dieser frühen Zeit. Die Band aus Kopenhagen startete ihr Set pünktlich um 12:20 Uhr. Sie kombinieren Alternative Rock, Metalcore und Electro-Elemente zu einem kraftvollen und gefühlsbetonten Sound. Teilweise ist der Gesang schon sehr melodisch und hoch. Das Gesamtpaket klingt jedoch sehr interessant und besonders ihr Song This is not a Song wurde vom Publikum mit einem lauten „It’s a motherfucking Moshpit!“ beantwortet. Sänger Mirza Radonjica-Bang hatte den Song sogar schon zu früh angekündigt, aber alle nahmen es mit Humor. Man merkte der Band an, wieviel Spaß sie auf der Bühne hatte und so war es ein gelungener Einstieg in den Tag.

Future Palace

Auf Future Palace habe ich mich besonders gefreut, da ich ihre Tour dieses Jahr verpasst hatte. Letztes Jahr auf dem Wacken Open Air habe ich sie das erste Mal live gesehen und war sofort beeindruckt von der Power, die das Trio aus Berlin mitbringt. Sängerin Maria Lessing gibt auf der Bühne alles, um die rohe Power ins Publikum zu transportieren. Auffällig ist, dass die Band ohne Bassist spielt und der Bass komplett als Backing-Track eingespielt wird. Das stört jedoch überhaupt nicht und die Band transportiert auch zu dritt eine wahnsinnige Energie. Die Band verbindet Post-Hardcore und Alternative Rock-Elemente miteinander, die sich zu einem sehr kraftvollen Gesamtpaket entfalten. Besonderes Highlight war der Song The Echoes of Disparity, in dem die Ungleichbehandlung der Geschlechter thematisiert wird. Auch der relativ neue Song Malphas hat mich auf Anhieb live überzeugt. Diese Band sollte man für die Zukunft auf dem Zettel haben.

The Chats

Die Band aus Australien kannte ich vor dem Elbriot noch nicht. Gegründet wurden sie in 2016 und ihr Song Smoko ging bereits ein Jahr später viral, wodurch sie weltweite Bekanntheit erreichten. Ihren Sound würde ich als eine Mischung aus Power-Rock und Punkrock-Elementen bezeichnen. Sie selbst bezeichnen ihren Stil als Shed-Rock. Während sie mich beim Durchhören auf Platte noch nicht komplett überzeugt haben, zeigte sich live ein komplett anderes Bild. Insbesondere diese energiegeladene Live-Performance und ihre rohe DIY-Attitüde hinterlassen einen bleibenden Eindruck und macht Lust auf mehr.

Smash Into Pieces

Smash Into Pieces stammen aus Schweden und wurden 2008 gegründet. Besonders auffällig ist Drummer APOC auf der Bühne durch seine auffällige LED-Maske und dadurch, dass er auf einem E-Schlagzeug spielt. Das habe ich auf Konzertbühnen bisher noch nicht gesehen. Es ermöglicht der Band aber in jedem Fall einen kreativen Stil. Ihre Bühnenshow ist spektakulär, mit starker Performance und visuellen Effekten sowie Feuerfontänen. Ihr Sound klingt nach Bands wie Three Days Grace, Breaking Benjamin und Shinedown. Ihr bekanntester Song Six Feet Under war live auch das Highlight des Sets.

Kissin’ Dynamite

Die energiegeladene und ambitionierte Band aus Süddeutschland um Sänger Hannes Braun spielt Glam- / Hair-Metal mit eingängigen Hymnen und großer Stadion-Attitüde. In ihrer 8-jährigen Bandgeschichte haben sie bereits 8 Alben veröffentlicht. Ihr letztes Album Back with a Bang! schaffte es 2024 sogar auf Platz 1 der deutschen Charts. Ihr Sound erinnert an Bands wie Mötley Crüe, Bon Jovi oder AC/DC. Auf dem Elbriot begeisterten sie die Menge mit einer Mischung aus klassischen Songs und Songs von ihrem aktuellen Album und einer mitreißenden Bühnenperformance.

Wir haben das Set der Band aus dem Hintergrund verfolgt, während wir uns das kulinarische Angebot des Festivals angesehen haben. Besonders der heiße Schafskäse war ein gutes Angebot und hat für 8,- € erstmal satt gemacht. Der Bierpreis beim Elbriot Festival 2025 war im Vergleich zu anderen Festivals noch relativ günstig. Einen Überblick hierzu bietet der Bierpreisindex (BIX) für Festivals.

Kerry King

Der Name Kerry King ist sicher jedem Metal-Enthusiasten bekannt. Der kultige Gitarrist mit dem markanten Bart spielte jahrelang bei den Thrash-Legenden von Slayer. Nachdem die Band ihren Ruhestand bekanntgab und aufhörte Live-Auftritte zu spielen suche sich King langjährige Weggefährten und gründete eine eigene Band. Dazu gehören unter anderem Phil Demmel (ehemals Machine Head) an der Gitarre und Mark Osegueda (Death Angel) am Gesang.

Die Band spielte einen Thrash-Mix aus eigenen Songs und Songs von Slayer, unter anderem Disciple, Raining Blood und Black Magic. Da der Sound der Band ebenfalls sehr an Slayer angelegt ist, bekommt man leicht den Eindruck einer Slayer-Tribute-Band. Das täuscht jedoch. Die Thrash-Allstar-Gruppe um den namensgebenden Gitarristen liefert zwar einen ebenso explosiven Auftritt, wie die legendäre Band hin, kreiert dabei jedoch auch ihren eigenen Stil. Besonders die brachialen Riffs in den selbstgeschrieben Songs drücken und sorgen dafür, dass niemand mehr still stehen will. Eine perfekte Überleitung zu Kreator.

Kerry King Setlist Elbriot 2025

Kreator

Zu Kreator muss man gar nicht viel sagen. Sie sind live eine Macht, die das Publikum überrollt – im positiven Sinne. Zu Beginn der Show hing noch ein fast durchsichtiger Vorhang vor der Bühne. Ab dem Zeitpunkt als dieser Vorhang fiel, war im ersten Wellenbrecher ein fast durchgehendes Circle Pit zu sehen. Lediglich bei Hail to the Hordes beschränkten sich die Fans kurz aufs reine Headbangen.

Das Intro mit Violent Revolution setzte die Latte für den Rest des Sets direkt auf ein sehr hohes Niveau und das Moshpit nahm diese Einladung sofort an. Selten habe ich soviele Menschen im Circle Pit bzw. im Pit generell hinfallen sehen. Umso wichtiger war es, dass die Umstehenden sofort den Hingefallenen halfen und sie wieder auf die Beine brachten. Das hat bestens funktioniert. Ich hatte mir erst im Dezember beim Auftritt von Kreator in der Inselparkarena den Fuß verknackst. Deswegen galt es dieses Mal sich nicht zu verletzen. Und das ist auch gelungen.

Die Band um Sänger Mille Petrozza spielte mit einer unglaublichen Gewalt ihr Set. Immer wieder brachen große Moshpits aus. Während Feuerfontänen auf der Bühne nach oben stiegen, wurde unten eine Wall of Death zelebriert. Besonders bei Hate über Alle und 666 – World Divided wurde es laut. Abgeschlossen wurde das Set mit dem ikonischen Pleasure to Kill.

Kreator Setlist Elbriot, Demonic Summer 2025

Papa Roach

Im Vergleich zur Show beim Wacken Open Air spielte Papa Roach beim Elbriot Festival 2025 ein leicht verkürztes Set, da das Setting inmitten der Großstadt erfordert, dass die Show rechtzeitig zur Nachtruhe beendet wird. Die Band startete um 20:45 und stieg direkt kraftvoll mit Even if it kills me ein. Das Set war erneut eine Mischung aus alten Klassikern und auch neuen Sounds, die die Band demnächst auch in einem neuen Album veröffentlichen wird. Dazu zählte unter anderem der neue Song Braindead, zu dem sie auf dem Wacken Open Air noch das Video als Premiere vorstellten, bevor das Set losging.

Emotionaler Höhepunkt war auch hier wieder das Medley aus Forever, In the End und Changes in Gedanken an die verstorbenen Chester Bennington und Ozzy Osbourne. Danach wurde eine Videosequenz abgespielt, in der Sänger Jacoby Shaddix über die Auswirkungen von Suiziden auf die Hinterbliebenen sprach und dazu aufforderte, über Probleme zu sprechen statt sie zu verschweigen. Die Band versprach außerdem auch hier für eine lokale Organisation zu diesem Zweck zu spenden. Danach spielten sie das emotionale Leave a Light on während Feuerzeuge und Handy-Lampen den Nachthimmel erleuchteten.

In der Zugabe verzichteten sie im Vergleich zum Wacken Open Air lediglich auf Infest. Abgesehen davon war die Zugabe identisch. Besonders das Nu Metal Medley aus Korn, Deftones, Limp Bizkit und System of a Down kam extrem gut an und wurde frenetisch gefeiert. Zum Schluss durfte natürlich eins nicht fehlen: „Cut my Life into Pieces“ wurde es eingeleitet und ab diesem Moment war komplette Eskalation auf dem Platz für Last Resort. Danach setzte sich der schwarze Strom glücklich und zufrieden zurück in Richtung Bahn in Bewegung.

Papa Roach Setlist Elbriot 2025, Rise of the Roach Tour

Fazit

Es war ein großartiges Festival mit tollen Künstlern. Der Mix der Genres war in diesem Jahr besonders interessant und für das nächste Jahr ist bereits Powerwolf als erster Headliner bestätigt worden. Wir dürfen gespannt sein, welche anderen Bands noch für die nächste Ausgabe gebucht werden. Es gab leichte Schwächen, etwa beim Einlass auf das Gelände und auch der Überquerung der Haupstraße, die am Mittag noch nicht von der Polizei geregelt wurde. Hier waren keine funktionierenden Ampeln vorhanden. Am Abend waren hier jedoch Polizeikräfte vor Ort, die den Verkehr geregelt haben, damit alle sicher über die Straße gehen können. Positiv ist ebenfalls zu bewerten, dass die Getränkestände sehr schnell waren. Man musste hier nie lange warten. Der Cocktailstand war allerdings etwas überlaufen und die Anzahl an Essensbuden könnte ebenfalls ausgebaut werden, da sich hier immer wieder längere Schlangen bildeten. Die Toilettensituation war sehr gut. Es waren an allen Ecken des Geländes ausreichende Toiletten vorhanden. Insgesamt war es ein positives Erlebnis beim Elbriot Festival 2025 und ich freue mich darauf, was das Festival im nächsten Jahr bereithält.

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