Nach den winterlichen Wochen zu Beginn des Jahres 2026 wurde es diese Woche langsam wieder wärmer. Passend hatten sich in der Alsterdorfer Sporthalle Alter Bridge mit den Gästen Sevendust und Daughtry als Vorbands angekündigt, um Hamburg weiter einzuheizen. Die Halle war an diesem Abend nicht ganz gefüllt. Die Tribünen waren im oberen Teil abgehängt, aber zumindest der geöffnete Teil der Halle inklusive der unteren Tribüne war bis hinten gefüllt. Es war der Tourauftakt zur „What Lies Within“-Tour und das merkte man auch an der ein oder anderen Stelle. Doch eins nach dem anderen.
Eine Neuerung gibt es in der Alsterdorfer Sporthalle: Die Garderobe kann jetzt nur noch bargeldlos bezahlt werden. Barzahlung habe ich bei keiner Garderobe mehr gesehen.
Sevendust – pure Emotion und ehrliche Dankbarkeit
Den Anfang machten Sevendust, die an diesem Abend sichtlich bewegt wirkten, wieder in Europa zu spielen. An der Rhythmus-Gitarre spielte Tim Tournier als Ersatz für Clint Lowery, der aufgrund von familiären Verpflichtungen und gesundheitlichen Untersuchungen erst in der zweiten Hälfte der Tour wieder dabei sein wird. Tim fügte sich erstaunlich souverän ins Bandgefüge ein. Das ist auch kein Wunder, da er schon öfter mit der Band gespielt hat und als deren Manager die Band zudem gut kennt.
Die Band wirkte insgesamt extrem glücklich, fast schon überwältigt von der Stimmung in der Halle. Sänger Lajon Witherspoon hatte mehrfach Tränen in den Augen, bedankte sich immer wieder mit Gesten beim Publikum und genoss jeden einzelnen Moment. Auch Bassist Vince Hornsby fiel auf: Mit Cowboyhut und breitem Grinsen tanzte er über die Bühne und transportierte die Freude der Band direkt ins Publikum. Es war ein Auftakt mit viel Herz und ich habe mich ebenfalls gefreut, die Band endlich einmal live zu erleben. Das erste Mal habe ich Sevendust vor über 20 Jahren gehört, aber dieser Abend war der erste Liveauftritte den ich von ihnen gesehen habe.
Setlist Sevendust
Fotos Sevendust
Daughtry – zwischen Gänsehaut und Vollgas
Danach übernahmen Daughtry die Bühne. Der Sound war etwas holprig, zwischendurch gab es doch deutlich hörbare Probleme mit dem Ton, doch davon ließ sich die Band nicht bremsen. Im Gegenteil: Daughtry präsentierten sich hochmotiviert. Die markante Stimme vom namensgebenden Sänger Chris Daughtry hallte durch den Raum und füllte diesen mit Energie. Bassist Marty O’Brien fiel immer wieder mit Powerposen und seinen cool designten Bassgitarren auf. Auch Daughtry hatten sichtlich Spaß auf der Bühne.
Bei It’s Not Over animierte Sänger Chris Daughtry das Publikum zum Mitsingen. Man merkte dabei, dass die Halle noch nicht ganz warm war, aber langsam auftaute. Der emotionale Höhepunkt folgte direkt im Anschluss. Chris Daughtry sang allein mit einer Akustikgitarre auf der Bühne den Song Home. Er erklärte davor, dass er ohne diesen Song geschrieben zu haben nicht mehr da wäre – ein ehrlicher, bewegender Moment. Auch der Song selbst sorgte für Gänsehaut.
Nach einem weiteren ruhigen Song (Antidote) ging es mit Pieces wieder zurück in den Vorwärtsgang. Kraftvoller Gesang und die starke Bühnenpräsenz machten den Auftritt aus. Daughtry hatten die Halle endgültig auf Betriebstemperatur gebracht.
Setlist Daughtry
Fotos Daughtry
Alter Bridge – Gänsehaut, Humor und ein würdiger Höhepunkt
Als schließlich Alter Bridge die Bühne betraten, wurde es auch endlich richtig laut in der Halle. Nachdem die Halle bereits den ganzen Abend eingenebelt wurde, kam jetzt die volle Stärke der starke Lichtshow zum Vorschein, die die Alter Bridge Performance begleitete. Die Band war ebenfalls sichtlich motiviert und freute sich wieder gemeinsam auf Tour zu sein. Die Setlist war ein richtig guter Mix aus allen Phasen der Bandgeschichte. Nach dem Beginn mit Silent Divide vom neuen Album Alter Bridge ging es direkt 13 Jahre zurück zum Album Fortress mit Addicted To Pain. Fortress stellte einen echten Fanmoment dar. Der Song wurde das erste Mal seit 2017 wieder live gespielt und wurde zuvor über eine Abstimmung auf dem Instagram Kanal der Band von den Fans für diesen Abend abgestimmt. Bei Burn it down durfte Mark Tremonti das erste Mal an diesem Abend den Gesang übernehmen.
Sänger Myles Kennedy zeigte sich bestens aufgelegt, scherzte mit dem Publikum und kündigte vor dem Song In Loving Memory überraschend aber mit einem Augenzwinkernd das Ende der Show und den Beginn des Comedy-Programms an. Gemeinsam mit Mark Tremonti spielte er dann jedoch den emotionalen Song, der bei uns für Gänsehaut sorgte, während in der Halle Feuerzeuge und Handylichter leuchteten. Der Refrain wurde lautstark von der gesamten Halle mitgesungen.
Danach ging es wieder mit der kompletten Band weiter, Myles weiterhin an der Akustikgitarre leitete den Song Watch over you bis die Band wieder einstieg und das Tempo wieder aufnahm.
Zum Finale dann der Song auf den alle gewartet haben und der sicherlich der bekannteste Song der Band ist: Metalingus. Dieser war lange der Titelsong für die WWE-Wrestling-Legende Edge. Die gesamte Halle hockte sich vor dem letzten Refrain hin, sprang kollektiv hoch und die Sporthalle bebte. Am Ende des Songs tauchte sogar noch der erste und einzige Crowdsurfer des Abends auf und gab der Security etwas zu tun.
Alter Bridge lieferten in Hamburg eine Show ab, die die hohen Erwartungen überwiegend erfüllte, aber auch Schwächen hatte. Probleme mit dem Sound waren zu merken, wenn der Bass etwas zu laut war oder eine Gitarre zu leise, aber insgesamt standen Energie, Emotion, Humor im Vordergrund und die besondere Verbindung zwischen Band und Publikum. Es brauchte nicht viel Motiviation damit das Publikum mitklatscht oder jubelt. Unterstützt von zwei starken Vorbands wurde der Abend in der Alsterdorfer Sporthalle zu einem dieser Konzerte, die man nicht so schnell vergisst.

















































































