Amplifire Festival 2026: Premiere für das neue Festival im Hamburger Hafen

Amplifire-Festival – MS Artville Gelände – 07.-08.08.2026 | Elbriot-Festival – Open Air am Großmarkt – 08.08.2026 | Hamburg

Ein neues Festival aus dem Boden zu stampfen ist in der aktuellen Zeit alles andere als einfach. Die Karsten Jahnke Konzertdirektion hat es sich trotzdem getraut und aus dem Nichts ein ganz neues Festival in der Hansestadt Hamburg angekündigt. Der Fokus sollte auf Gitarrenmusik liegen und bereits für die erste Ausgabe wurde ein hochkarätiges Lineup aufgefahren. Aber auch spannende Newcomer waren dabei. In unserem Vorausblick habe ich bereits einen Teil der Bands vorgestellt. In unserem Erfahrungsbericht stelle ich euch das neue Festival genauer vor und erzähle euch genau wie es vor Ort war.

Frank Turner Amplifire Festival 2026 14

Ankommen, orientieren, eintauchen auf dem Amplifire Festival 2026

Zunächst galt es sich zu orientieren und den Weg zum Gelände zu finden. Das MS Artville Gelände liegt etwas abseits der üblichen Hamburger Bühnen im Wilhelmsburger Industriehafen. Auf der Instagram-Seite des Festivals und auch in der Festival-App gab es hilfreiche Informationen, wie man den etwas längeren Weg von der S-Bahn Station Wilhelmsburg bis zum Eingang findet. Bei Instagram gab es sogar ein Zeitraffer-Video, das sehr hilfreich war, wenn der Weg zu Fuß bewältigt wurde.

Am Gelände angekommen war die Bändchenausgabe einfach zu finden und die Ausgabe erfolgte zügig. Von der Bändchenausgabe bis zum Eingang war es noch ein kleines Stück, aber dabei konnten wir den Charme der Umgebung bestehend aus Containern und Industriehafen genießen. Hier herrschte ein cooler Vibe. Der Einlass zum Gelände gestaltete sich ebenfalls einfach und auf dem Gelände angekommen wurde man zunächst erschlagen von den vielen unterschiedlichen Bereichen. Das ist aber keinesfalls negativ gemeint, sondern positiv zu bewerten. Denn das Gelände bietet sehr viele Möglichkeiten, um sich mit seinen Freund*innen auch abseits der Musik auf den Bühnen zusammenzusetzen.

Die Bühnen teilen sich auf drei Bereiche auf. Die Main Stage (genannt Vorschot) befand sich in gerader Richtung vom Eingang und kann nicht verfehlt werden. Jeweils nach rechts bzw. links orientiert befanden sich die beiden kleineren Bühnen. Zunächst war es etwas gewöhnungsbedürftig, das die Bühnenareale so abgegrenzt waren. Für die Atmosphäre vor den jeweiligen Bühnen war das jedoch sehr gut und gerade vor den kleinen Bühnen wurde die Energie dadurch noch intensiver. Bei bestem Wetter genossen schätzungsweise 15.000-18.000 Fans spannende Shows von Indie-Rock bis Postpunk.

ARXX – positive Überraschung

ARXX waren für mich eine echte Überraschung, denn die britische Band kannte ich vorher noch nicht. Neben der Musik überzeugte vor allem die sympathische und humorvolle Art der Band. So wurde das Publikum unter anderem nach überstandenen Trennungen gefragt, worauf sich niemand meldete – in Großbritannien scheint das offenbar deutlich verbreiteter zu sein, die Band erzählte, da dort gefühlt alle bereits eine Trennung durchgemacht haben.

Sänger*in Hanni Pidduck setzte zudem ein klares Zeichen für LGBTQIA+-Menschen. Nachdem sich auf die Frage nach anwesenden Trans-Personen zunächst niemand meldete, gingen bei der Frage nach den anwesenden Allies alle Hände nach oben. Mit „Swim With Your T-Shirt On“ folgte anschließend der passende Song zu diesem Moment. Es war ein rundum sympathischer Auftritt, der mich positiv überrascht hat.

Galerie Arxx

Ehrlicher Post-Punk mit Rauchen

Die Überschrift mag verwirrend wirken. Die Band Rauchen überzeugte auf dem Amplifire Festival 2026 auf der kleinen Bühne (Nest) mit einem rohen und natürlichen Sound, der angenehm ungeschliffen wirkte. Der Auftritt war dabei weniger von großer Energie als vielmehr von einer gewissen Ehrlichkeit geprägt. Nichts wirkte überinszeniert – die Band stand einfach auf der Bühne und spielte ihre Musik auf ihre eigene, authentische Art.

Galerie Rauchen

The Get Up Kids entspannt und voller Energie

The Get Up Kids sorgten für eine angenehm positive Energie auf der Bühne. Der Auftritt wirkte entspannt und unaufgeregt, ohne dabeian Spielfreude zu verlieren. Statt Moshpits stand hier eindeutig die Musik im Mittelpunkt – ein sympathischer und gelassener Auftritt, der trotzdem ordentlich Stimmung aufkommen ließ.

Galerie The Get Up Kids

Zum Auftritt von Frank Turner ging die Sonne über dem alten Schleusenpark langsam unter und bot ein wunderschönes Licht zu seinem Auftritt mit seiner Band The Sleeping Souls.

Frank Turner Amplifire Festival 2026 13

Hamburg glaubt weiterhin an Frank Turner

Passenderweise begann der aus dem Punkrock stammende Singer-/Songwriter mit seiner Band The Sleeping Souls das Set mit dem Hit I Still Believe, der von Beginn an für Stimmung sorgte. Bei Frank Turners Auftritt war es auch endlich soweit und die erste Crowdsurfer*in des Tages flog sanft über die Menge. Bei Biffy Clyro sollten noch ein paar weitere folgen. Die Band hielt auch beim zweiten Song die Energie hoch mit Try this at home. Bei Frank Turners Set ging es auch das erste Mal an diesem Tag im Mohshpit rund. Auf freundlicher Basis schubsten und tanzten sich die Fans hier über den Platz vor der Bühne. Während des Sets schmunzelte Frank und erzählte, dass er oft als Folkpunk-Künstler bezeichnet werden würde, aber sie in diesem Set bisher nur mit E-Gitarren gespielt haben und keine Folk-Elemente gezeigt hat. Daher wollte er das unbedingt nachholen. Emotional wurde es als Frank alleine auf der Akustikgitarre The Way I Tend To Be spielte. Der Song hat für meine Frau und mich eine besondere Bedeutung, da dies auch der Eröffnungstanz auf unserer Hochzeit war. Auch wenn Frank bei diesem Set nicht ins Publikum sprang, war es schon so eine elektrisierende Stimmung. Das Set schloss passend mit Four Simple Words ab.

Galerie Frank Turner

Setlist Frank Turner
Frank Turner Setlist Amplifire Festival 2026

Lärm zum Sonnenuntergang mit Fjørt

Ich nehm es direkt vorweg: Fjørt waren mein persönliches Highlight des Tages. Die Band lieferte einen der intensivsten Auftritte des Festivals. Der Sound war hervorragend und die Energie war vor und auf der Bühne sofort spürbar. Alle Bandmitglieder gingen komplett mit und gaben vom ersten bis zum letzten Song alles. Insbesondere Bassist David kam immer wieder vorne auf den Bühnenrand und suchte die Nähe zum Publikum. Ich hatte es vorher noch nie geschafft, die Band live zu sehen und bin froh, dass es beim Amplifire Festival 2026 endlich geklappt hat. Der Sound der Band wirkt auf den ersten Blick wie Lärm mit Geschrei. Bei näherem Hinhören zeigen sich jedoch prägnante Texte, die durch die starke Performance aller Bandmitglieder intensiv rübergebracht werden. Insgesamt hinterließ Fjørt einen bleibenden Eindruck und ich werde sie beim nächsten Auftritt definitiv auf dem Schirm haben. Die Band bedankte sich während ihres Sets außerdem bei Verstanstalter Karsten Jahnke für die Organisation dieses neuen Festivals.

Galerie Fjort

Biffy Clyro – ein starker Headliner

Als Headliner des Amplifire Festivals ließen sich Biffy Clyro nicht lange bitten. Nach einem kurzen Intro, in dem sich betraten Gitarrist und Sänger Simon Neil und die anderen Bandmitglieder. Neil betrat die Bühne direkt ohne Shirt und präsentierte in der untergehenden Sonne seine ikonischen Tattoos – passend zu seinem energiegeladenen und intensiven Gesang. Die Band zeigte von Beginn an, wie viel Erfahrung und Spielfreude in ihr steckt. Gleichzeitig war deutlich zu spüren, dass Biffy Clyro selbst sichtlich Spaß am Festival und an ihrem Auftritt hatten. Auch dieser Auftritt war eine Live-Premiere für mich. Der Sound der Band trifft meinen Geschmack nicht zu 100%, aber insbesondere die Songs Machines und Bubbles haben mich live mit einer unglaublichen Energie überzeugt, die durch das ganze Publikum ging und bei denen die komplette Fläche laut mitgesungen hat. Es war bereits der zweite Auftritt der Band in Hamburg dieses Jahr und trotz dieser Tatsache war das Gelände vor der Main Stage gut gefüllt. Das zeigt, dass Biffy Clyro es mit ihrer Energie schaffen, das Publikum immer wieder neu zu fesseln.

Galerie Biffy Clyro

Setlist Biffy Clyro
Biffy Clyro Setlist Amplifire Festival 2026, Futique

Den Abschluss des Tages machten The Intersphere auf der kleinen Bühne im „Nest“. Durch die Laternen im Publikum entstand vor allem im Dunkeln eine besondere, fast urbane Atmosphäre. Dazu passte die Musik perfekt: Besonders die Intros wirkten stellenweise wie der Soundtrack zu einer Actionserie aus den 1980er-Jahren. Doch dann nahm der Auftritt deutlich an Fahrt auf und die atmosphärischen Momente wichen einer energiegeladenen Dynamik.

Amplifire Festival 2026 25

Fazit: Gelungene Premiere, gerne wieder!

Was von diesem ersten Amplifire Festival bleibt, ist die Tatsache, dass neue Festivals funktionieren. Auch wenn wir von außerhalb keine finanziellen Ergebnisse zum Festival vorliegen haben, lässt die Ankündigung der nächsten Ausgabe des Festivals für 2027 darauf schließen, dass es insgesamt eine erfolgreiche Veranstaltung war. Das Festival war zwar nicht ausverkauft, aber dennoch gut besucht, was auf das gute und breit aufgestellte Booking zurückzuführen ist. Das Gelände in Wilhelmsburg ist zwar etwas weit draußen, aber aufgrund von wenig betroffenen Anwohnern gerade gut geeignet. Auf dem Gelände gab es ausreichend Essensmöglichkeiten und auch die Versorgung mit Getränken war gut organisiert. Hier kommt die schon etablierte Nutzung durch MS Artville und MS Dockville Festival dem Amplifire Festival zu Gute. Was aus unserer Sicht kritisch gesehen werden kann, ist der Veranstaltungstermin, der mit den parallel stattfindenden Elbriot Festival und Wutzrock Festival auf das gleiche Wochenende fällt. Die Ausgabe in diesem Jahr hat jedoch gezeigt, dass alle drei Festivals ausreichend Besucher anlocken konnten. Es bleibt ob diese Überschneidung auch in 2027 wieder vorhanden ist. Das Amplifire blickt in jedem Fall in einer schrumpfenden Festivallandschaft in eine derzeit aussichtsreiche Zukunft.

Weitere Berichte zum Amplifire Festival gibt es hier

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