Wilde Anreise, entspannte Ankunft
Das Match Börner Open Air 2026 war bereits die fünfte Ausgabe und fand vom 10. – 11.7. in Norderstedt statt. Das Festival in der viertgrößten Stadt Schleswig-Holsteins lockte auch dieses Mal wieder zahlreiche Besucher*innen in den Stadtpark. Die Anreise aus dem Hamburger Stadtbereich gestaltete sich als kleine Herausforderung aufgrund von Bauarbeiten des HVV auf der Linie U1, die jedoch viele Fans bereitwillig auf sich nahmen.Schnell wurde deutlich, dass sich das Match Börner Open Air inzwischen einen festen Stamm an Besucher*innen aufgebaut hat, die Jahr für Jahr wiederkommen. Das dürfte vor allem daran liegen, dass das Festival trotz seines Wachstums seinen familiären Charakter bewahrt hat. Natürlich läuft nicht immer alles perfekt, doch Probleme werden gemeinsam und mit einem Lächeln gelöst. Jedes Teammitglied packt hier mit an, wo es gebraucht wird und verhilft so dem ganzen Team zum Erfolg.
Über die Jahre hat sich das Match Börner Open Air immer weiterentwickelt. Auch bei der Infrastruktur wird deutlich, dass sich die Organisatoren viele Gedanken gemacht haben. An den Getränkebuden wurden die Getränke über sogenannte Beerjets besonders schnell gezapft und anschließend über Laufschienen zur Ausgabe transportiert. Die Stadtwerke Norderstedt bringen sich aktiv mit ein und unterstützten in diesem Jahr mit einem Stand für kostenloses Leitungswasser. Zwischen den Auftritten wurde der Stand sehr gut genutzt. Daher würde ein zweiter Stand im nächsten Jahr für etwas Entlastung sorgen. Während der Auftritte kam man hier jedoch sehr zügig an frisches Trinkwasser. Auch das kulinarische Angebot war vielfältig und gut. An allen Ständen konnte bar oder mit Karte gezahlt werden und auch für den politischen Meinungsaustausch waren Stände vor Ort. Außerdem wurden immer wieder Pfandbecher zu Gunsten von Kein Bock auf Nazis und DeinTopf e.V. gesammelt. Ob mit dem Schlauchboot auf der Menge oder mit Mini-Basketballkorb an einer Tonne. Hier kamen eine Menge Becher für den guten Zweck zusammen.
Tyna eröffnen das Festival
Den Anfang am Freitag machten die Lokalmatadoren von Tyna aus Hamburg, die ich letztes Jahr das erste Mal beim Ruhrpott Rodeo erlebt habe und kurz danach beim Wutzrock in Hamburg. Seitdem hat die Band eine kleine Veränderung durchgemacht. Denn der bisherige Keyboarder Freddy ist nach den Konzerten im letzten Jahr ausgestiegen. Seitdem übernimmt Bassist Murphy zusätzlich die Keyboard-Parts. Davon war auf der Bühne nichts zu merken. Im Gegenteil: Man merkte der Band wieder einmal an, wieviel Freude es ihnen macht, ihre Songs live zu performen. Auch die gerade an diesem Tag erschienene Single ZU LAUT vom kommenden Album ALLEN GEHT ES war an diesem Tag in der Setlist und kam beim Publikum gut an. Bei bestem Wetter wurden die ersten Moshpits des Tages gezündet und es sollten nicht die letzten sein. Insgesamt merkt man eine sehr gelungene Weiterentwicklung bei der Band. Mit dem kommenden Album dürfte die Band ihren Sound noch einmal weiterentwickeln und gleichzeitig an Energie gewinnen. Als letzten Song performten sie wie üblich Scheissverein, auf den sie dem Refrain nach gar keinen Bock haben. Spätestens Anfang 2027 wird man sie wiedersehen, wenn sie zu Tynas Sportfest ins Knust einladen, um mit den Fans erst Flunkyball zu spielen und anschließend auf der Bühne durchzudrehen.
Galerie Tyna
Überhaupt nicht ausgebrannt: 100 Kilo Herz
100 Kilo Herz waren für mich eine Überraschung des Tages. Ich hatte die Band noch nie live gesehen und war daher umso mehr gespannt, was sie live auf der Bühne abliefern würden. Die Band aus Leipzig verbindet rotzigen Punkrock mit Bläserelementen aus Saxofon und Trompete. Dazu gibt es gesellschaftskritische Texte. Die Mischung kam auf dem Match Börner sehr gut an. Schon nach kurzer Zeit waren die ersten Rauchfackeln im Circle Pit zu sehen und hüllten den Platz in gelben und roten Rauch. Die Band strahlte eine beeindruckende Spielfreude aus, die sich auch auf das Publikum übertrug. Mitten im Set forderte Bassist und Sänger Steffen die Menge auf, sich aufzuteilen bis zum FOH-Turm, was sie auch bereitwillig tat. Kurz darauf prallten die beiden Fronten wild ineinander und entfachten ein gewaltiges Moshpit. Der Brass-Punk machte definitiv Lust auf mehr und auf den nächsten Act.
Galerie 100 Kilo Herz
Die Exoten im Programm – Blackout Problems drehten richtig auf
Die Band aus München habe ich bereits beim Vainstream Rockfest live gesehen und im letzten Jahr bei Jamel rockt den Förster . Eines haben alle Auftritte des Quartetts aus München gemeinsam : Es wird immer wild. Von Anfang an, merkte man das die Band um Sänger Mario Radetzky sichtlich Spaß hat und Bock auf diesen Auftritt hatte. AAlle drei Musiker vor dem Schlagzeug waren permanent in Bewegung, so dass man kaum hinterherkam. Der erste Abstecher ins Publikum ließ nicht lange auf sich warten und beim vierten Song stand Mario plötzlich auf der Handicap-Tribüne und performte den gefühlvollen Song The National mit der Akustikgitarre, während die anderen Bandmitglieder auf der Bühne blieben. Diese Verbindung zum Publikum blieb über das gesamte Set bestehen. Kurze Zeit später stellte er sich auf die Menge und sang dort weiter bevor er zum FOH-Turm lief und diesen hinaufkletterte.

Auch Bassist Marcus Schwarzbach ließ sich davon anstecken und kletterte mit seinem Bass die Bühnenträger hoch. Besonders laut wurde es für den bekanntesten Song der Band Rome. Mit einer glitzernden Jacke bekleidet kam Mario Radetzky mitten im Set raus und gesellte sich wieder mitten ins Publikum. Gemeinsam mit allen Besuchenden vor der Bühne kniete er sich hin und sang weiter bis alle zusammen in Ekstase aufsprangen. Gegen Ende des Sets betonte Mario, wie sehr sich die Band freute in Norderstedt zu spielen und das es möglicherweise auch das letzte Mal sein könnte, denn sie wüssten ja nicht ob sie wieder dorthin zurückkommen würden. Daraufhin strömten nochmal alle Besucher*innen vor die Bühne und zelebrierten das Finale zusammen mit der Band. Zusammen mit Joshi von ZSK und Tina von der Band Tyna performten sie den letzten Song PUZZLE.
Galerie Blackout Problems
Setlist Blackout Problems
Slime mit Verspätung, aber voller Energie
Bei den Punkrock-Veteranen, die ursprünglich aus Hamburg stammen, lief an diesem Tag nicht alles rund. Aufgrund eines Verkehrsunfalls kam es zu einer verspäteten Anreise und das Set konnte erst mit knapp 30 Minuten Verspätung beginnen. Vor der Bühne warteten bereits alle gespannt, wann es losgeht. Eine Information zur Verspätung gab es leider nicht. Doch nach der Wartezeit ertönte endlich das Intro und die Punkrock-Legenden kamen auf die Bühne. Gitarrist Elf ist sogar in der Nähe in Langenhorn aufgewachsen. Mit Komm schon klar, Armes Deutschland und Alle gegen alle ging es direkt zu Beginn des Sets in die vollen und Sänger Tex Brasket schrie der Menge die ersten Zeilen entgegen. Getrieben von den kraftvollen Takten von Schlagzeuger Alex Schwers ging die Band auf der Bühne ab und auch die ersten Crowdsurfer*innen ließen nicht lange auf sich warten. Insgesamt war es ein solides Set. Manche Stimmen aus dem Publikum hatten sich etwas mehr erhofft, doch für meinen Geschmack hat die Band aus der ungünstigen Situation zu Beginn das Beste gemacht und spielte ihr Set souverän. Die Menge war in jedem Fall voll dabei und sang lautstark mit bei Songs wie Sie wollen wieder schießen (dürfen). Es war die perfekte Vorbereitung für den Headliner des Tages.

Galerie Slime
Setlist Slime
ZSK haben den Platz abgerissen

Zu Beginn des Sets hing ein (für die Bühne etwas zu kleiner) Vorgang vor der Bühne, der während des Songs Wir kommen in deine Stadt heruntergelassen wurde und die Band zum Vorscheinbrachte. Sänger Joshi kam direkt nach vorne, stieg auf die Boxen vor der Bühne und stieg kurz danach bereits in den Graben und ging an die Absperrung, um mit den Fans vorne gemeinsam zu singen. Weiter ging es im schnellen Punk-Takt mit Herz für die Sache, wobei Joshi mehrfach spektakulär in die Luft sprang. Auch vor der Bühne ging es zum Abschluss des Tages noch einmal richtig zur Sache. Während des gesamten Sets wurde ein derber Pogo getanzt während mehrere Crowdsurfer über die Menge getragen wurden. Auch das klassische Hinsetzen und Hochspringen durfte nicht fehlen.

Bei Songs wie Keine Angst sang das gesamte Publikum lautstark mit und kreierte gemeinsam mit der Band einen Moment der Einheit gegen den allgegenwärtigen Faschismus in der Welt. Joshi ermutigte das Publikum auch weiterhin stark zu sein und zusammenzuhalten gegen den Rechtsruck. Später im Set wurde zum ersten Mal ein Schlauchboot herausgeholt und die beiden gemeinnützigen Vereine DeinTopf und Kein Bock auf Nazis sammelten über der Menge Becherpfand ein, das nach Aufforderung der Band in Massen durch die Luft in das Boot flog und so Spenden für die beiden Organisationen brachte. Am Ende des Sets spielte die Band noch den Klassiker Antifascista, wobei Joshi die Seite der Bühne hochkletterte und oben angekommen einen Bengalo zündete und in die Luft hielt, während alle Anwesenden zusammen „Alerta, Alerta“ skandierten.
Nach einem intensiven ersten Festivaltag machten sich die Besucher*innen glücklich und erschöpft auf den Heimweg oder zurück zu den Campingplätzen. Der Freitag hatte eindrucksvoll gezeigt, warum das Match Börner Open Air sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Der Freitag machte große Vorfreude auf den zweiten Festivaltag.
Galerie ZSK
Setlist ZSK
Carries Festival-Kommentar: Tag 1 des MBOA
Auch für mich war es das erste Mal beim MBOA. Was mir direkt positiv auffiel: das weitläufige Gelände mit vielen Infoständen z. B. von Kein Bock auf Nazis und Dein Topf e.V., viele Sitzgelegenheiten und die insgesamt sehr entspannte Atmosphäre. Das Line-Up war für mich ein passender Mix aus Punk und Rock. Neu entdeckt habe ich 100 Kilo Herz, die sich auch mit dem Moshpit nur für Frauen in mein Herz gespielt haben. Blackout Problems brachten einen anderen Vibe als die anderen Bands auf die Bühne, rissen das Publikum durch ihre abwechslungsreiche Show aber nicht weniger doll mit. Mein Highlight waren definitiv ZSK, die mit viel Message und noch mehr Energie den Abend abschlossen. Lieblingssong des Tages: 3 Uhr nachts.
Weitere Beiträge zum Match Börner Open Air gibt es hier



















































































































