Der zweite Festivaltag startet mit Destroy Boys
Um 14:15 ging der zweite Tag beim Hurricane Festival 2026 für uns los mit Destroy Boys aus Kalifornien. Zu Beginn der Show gab es noch Probleme mit der Verkabelung, weshalb die Show mit ein wenig Verspätung anfing. Gitarristin Violet Mayugba kam aufgrund einer Verletzung sogar mit Krücken auf die Bühne, konnte die Show aber trotzdem stehend durchspielen. Ich kannte die Band, die bereits seit 2015 aktiv ist, vor dem Festival gar nicht. Daher war ich sehr gespannt, was uns erwartet. Die Musik war roh und echt. Sängerin Alexia Roditis rief während des Sets dazu auf, dass wenn sich jemand im Publikum belästigt fühle, die Person sich sofort bei den Securities melden kann. Denn bei dieser Show sollte keine Belästigung in jeglicher Form geduldet werden. Das war ein starkes Zeichen dafür, dass das Hurricane Festival ein Safespace ist. Insgesamt blieb die Band etwas hinter meinen Erwartungen zurück, da sie auf Platte etwas actionlastiger klingen. Es war jedoch trotzdem eine coole Show und ich würde die Band gerne nochmal in einem Club sehen.
Galerie Destroy Boys
Yonaka verwandeln das Zelt in einen Club
Anschließend gingen wir zur „weißen“ Zeltbühne, da wir von mehreren Seiten Yonaka empfohlen bekommen haben. Anders als man vermuten könnte, war es im Schatten des Zelts keineswegs kühler, sondern es heizte sich gefühlt noch mehr auf als draußen. Auch Yonaka habe ich vor dem Festival noch nie gehört. Die britische Rockband um Sängerin Theresa Jarvis gibt es bereits seit 2014 und sie hatten definitiv ihre Fangemeinde im Zelt. Die Stimmung war wie in einem Club mit coolem Licht und einer charismatischen Sängerin. Die Musik war dabei sehr vielfältig mit einem Punk-Vibe der durch verschiedene elektronische Elemente ergänzt wurde. Das Quartett aus Ipswich in England spielte ein richtig starkes Set und begeisterte die Anwesenden mit ihrem Alternative Rock Mix. Sie erinnerten mich an Bands wie Nova Twins, The Pretty Reckless, aber auch eine Prise Korn war aus meiner Sicht dabei. In jedem Fall ist es eine Band, die man mal gesehen haben sollte.
Galerie Yonaka
All Time Low sorgen für beste Sommerstimmung
Zurück in der direkten Hitze und fast ohne Schatten ging es auf direktem Weg zur Forest Stage zu den Skatepunks von All Time Low. Die Band gibt es bereits seit über 20 Jahren und trotzdem war dies das erste Mal, dass ich sie live gesehen habe. Ich habe mich besonders drauf gefreut, denn die Band verbreitet einfach gute Laune. Und sie haben mit ihrem Set nicht enttäuscht. Bei Songs Weightless und PMA fühlte ich direkt zu Beginn des Sets Gänsehaut und musste direkt mitsingen, aber zunächst hieß es Fotos machen. Bassist Zack Merrick kickte immer wieder in die Luft und hatte sichtlich Spaß. Aber auch Sänger Alex Gaskarth versprühte pure Freude auf der Bühne. Vor der Bühne wurde trotz der Hitze ordentlich gesprungen. Die Grabencrew tat ihr Bestes die Menge mit Wasser abzukühlen und Crowdsurfer sicher von der Menge zu holen. Den bekanntesten Song Dear Maria, Count Me In spielten sie natürlich als letztes. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung schon am Kochen und das Publikum sang die ersten Zeilen laut mit, während Sänger Alex still blieb, um die Stimmung wirken zu lassen bevor die Band mit dem Song richtig einstieg. Interessanterweise dachten mehrere Personen in unserer Gruppe, dass der Song nicht von All Time Low war, bevor sie ihn jetzt gehört haben. Als Nächstes wartete ein echtes Post-Hardcore Schwergewicht.
Galerie All Time Low
Setlist All Time Low
Alexisonfire liefern pure Post-Hardcore-Energie
Alexisonfire spielten direkt nach All Time Low auf der Forest Stage. Auch diese Band war eine Live-Premiere für mich. Sie überzeugten mich von Anfang an mit ihrer Power und dem Post-Hardcore in dem aber auch Grunge-Einflüsse merkbar waren. Bassist Chris Steele war wie ein wildgewordenes Biest auf der Bühne. Er tanzte umher, streckte die Zunge raus und interagierte die ganze Zeit mit dem Publikum. Aber auch der Rest der Band überzeugte mich auf Anhieb mit ihrer Energie. Sänger George Pettit mit seinen Screams und Gitarrist Dallas Green mit dem Clean Gesang ergänzten sich auf perfekte Weise und erzeugten eine ganz spezielle Stimmung, die im Publikum gut ankam.
Galerie Alexisonfire
Setlist Alexisonfire
Nothing But Thieves begeistern mit Emotion und Intensität
Ein großes Ausrufezeichen setzten im Anschluss Nothing But Thieves auf der Forest Stage. Von der Schallplatte klingt die Band ziemlich ruhig. Auf der Bühne haben sie jedoch eine energiegeladene und gefühlvolle Performance abgeliefert. In der ersten Reihe waren sogar Fans zu sehen, die extra für Nothing But Thieves angereist waren. Auf einem Schild war sogar zu lesen, dass Fans 20 Stunden für die Band angereist waren. Im Publikum wurde bei jedem Song laut mitgesungen, was für den nächsten Gänsehautmoment sorgte. Trotz des kurzen Festival-Slots wirkte das Set sehr gut strukturiert und steigerte sich kontinuierlich bis zum emotionalen Finale. Es war ein Auftritt, der eindrucksvoll unterstrich, warum Nothing But Thieves seit Jahren zahlreiche Fans begeistern.
Galerie Nothing But Thieves
Setlist Nothing But Thieves
KAFFKIEZ feiern den Indie-Rock
Als Nächstes bewiesen Kaffkiez auf der River Stage warum sie zu den interessantesten deutschen Indie-Rock-Bands gehören. Als Intro lief Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt von Danger Dan, was schon für Begeisterung sorgte. Mit ihrer Mischung aus eingängigen Gitarrenmelodien und emotionalen Texten traf die Band genau den Nerv des Publikums beim Hurricane Festival 2026. Bereits nach wenigen Songs verwandelte sich der Bereich vor der Bühne in einen einzigen Chor, während die Band mit ihrer sympathischen und bodenständigen Art eine spürbare Nähe zu den Fans aufbaute. Zwischen nachdenklichen Momenten und euphorischen Hymnen entwickelte sich ein Auftritt, der vor allem von seiner Authentizität lebte. KAFFKIEZ zeigten eindrucksvoll, dass große Festivalmomente nicht nur Headlinern vorbehalten sind – sondern auch Bands, die mit ehrlichen Songs und einer mitreißenden Live-Energie das Publikum nachhaltig begeistern
Galerie Kaffkiez
Setlist Kaffkiez
Papa Roach setzen ein Zeichen für den Nachwuchs
Nach Kaffkiez haben wir uns erstmal eine ganze Zeit in den Schatten gesetzt und die Zeit zum Riesenrad Fahren genutzt, während Papa Roach ihr Set gespielt haben. Das Set haben wir uns in Ruhe von der Seite aus angesehen, da wir die Band im letzten Jahr häufiger gesehen haben. Es war in jedem Fall wieder spektakulär und besonders Last Resort bringt nach wie vor das ganze Publikum zum kollektiven Durchdrehen. Ein besonderer Moment im Set war außerdem, dass Sänger Jacoby Shaddix seinen Sohn Brixton mit auf die Bühne holte, wie bereits bei anderen Shows in diesem Sommer. Gemeinsam performten der 13-jährige und sein Vater Braindead auf der Forest Stage. An anderer Stelle sprach Jacoby über schwierige Zeiten in seinem Leben und wie er es dort hinaus geschafft hat bevor er den Song Help anstimmte. Und er sprach davon, wie wichtig der musikalische Nachwuchs ist und die zukünftigen Headliner wahrscheinlich gerade im Publikum stehen würden. Sie selbst haben damals aufgrund der Deftones angefangen Musik zu machen und möchten auch andere dazu inspirieren ein Instrument zu spielen und eine Band zu gründen.
Twenty One Pilots liefern eine Headlinershow für die Geschichtsbücher
Später am Abend war es dann endlich soweit. Der Headliner, auf den so viele Menschen im Publikum schon den ganzen Tag gewartet haben. Einige habe ich bereits nachmittags in der ersten Reihe an der Forest Stage stehen sehen und tatsächlich hatten sie bis zu den Twenty One Pilots durchgehalten. Mit einem großen Knall begann das Set nach einem Schlagzeug-Intro und Sänger Tyler Joseph sprang zu Pyro-Effekten in großem Bogen und mit Anlauf von der Seite auf die Bühne. Noch komplett maskiert stimmte er den Song Overcompensate an während vor der Bühne begeistertes Kreischen herrschte und tausende Fans lautstark mitsangen. Auch die ein oder andere Träne wurde hier verdrückt – jedoch ausschließlich Freudentränen. Zum zweiten Song The Contract stürmte Tyler unten in den Graben und stellte sich auf die Menge. Dabei schwang er sein Mikrofon am langen Kabel weit in den Scheeßeler Nachthimmel über der tobenden Menge. Es waren spektakuläre Bilder, die die Band hier bot. Zurück auf der Bühne enthüllte er geheimnisvoll sein Gesicht bevor der dritte Song Center Mass gespielt wurde. Im Verlauf der Show kletterte Schlagzeuger Josh Dun sogar noch die Bühne hinaus und Sänger Tyler lief später mitten durchs Publikum und kletterte auf einen der Masten, um von dort zu singen. Die ganze Show wurde begleitet von sorgsam platzierten Effekten, die das Ganze zu einem besonderen Spektakel für dieses Jubiläumsfestival machten.
Mit einem großen Abschlussfeuerwerk über der Bühne nach dem Set der Twenty One Pilots zelebrierte das Festival seinen 30. Geburtstag gebührend und beendete diesen Abend.
Galerie Twenty One Pilots
Setlist Twenty One Pilots
Weitere Berichte zum Hurricane gibt es hier.

































































































