Musikclubs und Festivals sind weit mehr als reine Veranstaltungsorte. Sie sind Treffpunkte für Kultur, Gemeinschaft und musikalische Vielfalt. Gleichzeitig stehen viele Spielstätten seit Jahren vor einer großen Herausforderung: dem Spannungsfeld zwischen lebendiger Livemusik und den berechtigten Interessen von Anwohnerinnen und Anwohnern. Besonders in dicht besiedelten Städten führen Lärmbeschwerden immer wieder zu Konflikten, die im schlimmsten Fall den Fortbestand von Clubs und Festivals gefährden können. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) erstmals das Bundesschallschutzprogramm ins Leben gerufen. Das Pilotprogramm soll Musikspielstätten und Festivals dabei unterstützen, gezielte Maßnahmen zur Reduzierung von Schallemissionen umzusetzen und damit langfristig die kulturelle Infrastruktur in Deutschland zu sichern.
Drei Millionen Euro für bessere Lösungen
Für die erste Förderrunde stellt der Bund insgesamt drei Millionen Euro bereit. Die Umsetzung erfolgt durch die Initiative Musik in Zusammenarbeit mit der LiveMusikKommission (LiveKomm), dem Bundesverband der Musikspielstätten in Deutschland.
Gefördert werden sowohl bauliche als auch technische und kommunikative Maßnahmen. Dazu gehören beispielsweise Schallschutzwände, schallisolierende Decken, Optimierungen bestehender Beschallungsanlagen oder Dialogformate zwischen Veranstaltenden und Nachbarschaften. Ziel ist es, Konflikte frühzeitig zu entschärfen und gleichzeitig den Betrieb von Clubs und Festivals langfristig zu sichern.
Große Nachfrage zeigt Handlungsbedarf
Wie groß der Bedarf tatsächlich ist, verdeutlichen die Zahlen der ersten Förderrunde. Insgesamt gingen 136 Interessensbekundungen ein. Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurden schließlich 43 Projekte für eine Förderung ausgewählt.
Die ausgewählten Einrichtungen stammen sowohl aus urbanen Zentren als auch aus ländlichen Regionen und repräsentieren ein breites Spektrum der deutschen Livemusiklandschaft. Viele der geplanten Maßnahmen wären ohne öffentliche Unterstützung nicht realisierbar gewesen.
Diese Clubs und Festivals erhalten eine Förderung
Zu den ausgewählten Projekten gehören unter anderem:
- Alte Hölle
- Altstadtschmiede
- asta Rosenheim
- Bei Chez Heinz
- Blitz Club
- Buddel Jungs Bar
- Café Wagner
- Club Atomino
- CoSy Festival
- Desertfest
- Distillery
- FLEUR
- FreeFlow Festival
- Gerberstraße 3
- Gewölbe
- Goethebunker
- Goldener Reiter
- Hafen 49
- Hafenbahnhof
- hEimWeRTs Kleinkunst Festival
- Heizhaus / Himmelfahrt Festival
- Horns Erben
- Krümmer
- KuBa
- Jena
- Kulturknoten
- Karo
- Kulturzentrum BÜZ
- KUNST!RASEN
- Lila Eule
- MIT DIR Festival
- Musikbunker Aachen
- Rakete
- Sägewerk Festival
- SCHROTTY.Culture
- Siebenhitze
- soku
- Spartacus
- TARMAC Festival
- Tresor Club Berlin
- Tresor.West
- umBAUbar
- Westhafen
- Zauberberg Passau
- Zwischenbau Rostock
Auch lokale Einrichtungen im Norden profitieren
Besonders erfreulich für Musikfans aus Norddeutschland: Mit dem Zwischenbau Rostock erhält auch eine der wichtigsten alternativen Spielstätten Mecklenburg-Vorpommerns eine Förderung aus dem Programm. Die Unterstützung kann dazu beitragen, den Veranstaltungsbetrieb langfristig zu sichern und mögliche Konflikte mit dem Umfeld zu reduzieren.
Mit dem Chez Heinz gehört außerdem eine weitere echte Institution der norddeutschen Clubszene zu den geförderten Spielstätten. Der Club in Hannover prägt seit den 1980er-Jahren die regionale Musik- und Kulturlandschaft und bietet regelmäßig Konzerten, Partys, politischen Veranstaltungen und kulturellen Projekten eine Bühne.
Gerade unabhängige Clubs wie das Chez Heinz oder der Zwischenbau stehen häufig vor der Herausforderung, Kulturveranstaltungen in urbanen Räumen mit den Interessen der Nachbarschaft in Einklang zu bringen. Die Förderung aus dem Bundesschallschutzprogramm eröffnet nun die Möglichkeit, gezielt in Maßnahmen zur Reduzierung von Schallemissionen zu investieren und damit die Zukunft des Standorts langfristig zu sichern. Beide Clubs erhalten Fördermittel von jeweils mehr als 70.000 Euro für bauliche und nicht-bauliche Maßnahmen, Schallschutzgutachten, Optimierung der Beschallungstechnik und weiteren Maßnahmen.
Pilotprogramm mit Signalwirkung
Die Verantwortlichen sehen das Bundesschallschutzprogramm als wichtigen ersten Schritt. Die hohe Nachfrage zeigt deutlich, dass viele Clubs und Festivals dringend Unterstützung benötigen. Nach Abschluss der geförderten Projekte sollen die Maßnahmen ausgewertet werden, um deren Wirksamkeit zu überprüfen und Erkenntnisse für eine mögliche Fortführung des Programms zu gewinnen.
Für viele Musikorte könnte das Programm damit nicht nur kurzfristige Entlastung bringen, sondern langfristig dazu beitragen, die vielfältige Club- und Festivallandschaft in Deutschland zu erhalten. Gerade in Zeiten steigender Kosten und zunehmenden Drucks auf kulturelle Freiräume ist das ein wichtiges Signal für die gesamte Livemusikszene.
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