Die Inselpark Arena in Hamburg Wihelmsburg war an diesem Abend nicht ganz voll. Ein Teil der Tribüne, also des Unterrangs wurde ausgefahren. Die oberen Ränge waren gar nicht besetzt. Und dabei würde man sich wünschen, dass die Halle aus allen Nähten platzt. Denn wenn Machine Head für „An Evening with…“ in die Stadt kommen, ist klar: Das wird heute kein einfaches Konzert, sondern ein Headbang-Feuerwerk. Auch ohne Pyrotechnik versteht es die Band aus Oakland, Kalifornien mit ihrer Diskographie aus über 35 Jahren, die Menge vor der Bühne in Extase zu versetzen und riesige Moshpits anzuzetteln. So sollte, das auch an diesem Abend laufen.
Ein Auftakt mit Wucht
Als Intro wurde Bohemien Rhapsodie von Queen über die Hallenanlage gespielt. Das war niedlich im Vergleich dazu, was in den Stunden danach folgen sollte. Wenn „An Evening with…“ auf dem Programm steht, bedeutet das: Es gibt keine Support-Bands, sondern stattdessen 2,5 Stunden feinste Gitarrenpower von Robb Flynn und seinen Bandkollegen. Die Setlist wurde im Vergleich zum Tourstart in Kopenhagen ein paar Tage zuvor etwas abgewandelt. Auch das macht die Qualität von Machine Head aus, das sie nicht immer wieder das selbe Programm spielen, sondern mit den Möglichkeiten herumspielen und die Setlist jeden Abend etwas anpassen. Nach dem Sing-along zu Bohemian Rhapsody setzte direkt das atmosphärische Intro von Imperium ein und Robb Flynn, Jared Maceachern, Matt Alston und Waclaw Kieltyka betraten die Bühne. Das Intro mündete in ein energiegeladenes „Hey, Hey, Hey“ des Publikums, während Robb Flynn seine Faust in die Luft ragte. Als der Song einsetzte entbrannte direkt ein Mosh Pit in der Mitte. Danach ging es direkt weiter mit Ten Ton Hammer, gefolgt von Choke on the Ashes of your Hate.

Setlist: Klassiker treffen auf neue Wucht
Machine Head lieferten eine ausgewogene Mischung aus Klassikern und neueren Tracks. Besonders die älteren Songs sorgten für kollektives Ausrasten im Publikum, während die neueren Stücke bewiesen, dass die Band auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Durchschlagskraft verloren hat.
Die Dynamik des Sets war dabei perfekt abgestimmt und auch Überraschungen waren dabei. Mit Crashing Around You brachte die Band sogar einen Song vom Album Supercharger von 2001, das sie nicht sehr häufig live spielen und das schon fast eher dem Genre Nu Metal zugerechnet werden kann, das in der Zeit populär war. Im Mittelteil überließ Robb Flynn dem Publikum die Wahl. Anhand der Lautstärke des Gröhlens wurde gemessen, ob die Band Blood for Blood oder Aesthetics of Hate spielen sollte. Die Wahl fiel ziemlich eindeutig aus. Das zeigte sich auch in der Größe der, sich dabei öffnenden Wall of Death in der Mitte des Raums. Das Publikum hatte Lust auf mehr.
Sound & Performance: Präzise und kompromisslos
Soundtechnisch präsentierte sich die Band auf höchstem Niveau. Die Gitarren waren präzise wie ein Uhrwerk und das Schlagzeug trieb den Sound mit an. Insgesamt war es ein sauberes Gesamtpaket. Die Gitarren von Flynn und Kieltyka ergänzten sich dazu immer wieder in verschiedenen Soli, während Bassist Jared Maceachern viel Spaß dabei hatte mit dem Publikum zu interagieren. Auch visuell wusste die Show zu überzeugen: Licht und Bühnenpräsenz unterstützten die Musik, ohne sie zu überladen. Der Fokus lag klar auf der Performance. Pyrotechnik gibt es in der Inselparkarena nicht und daher muss die Musik überzeugen, was sie in diesem Fall definitiv tat. Für Circle the Drain und Darkness Within spielte Flynn alleine mit der Akustikgitarre auf der Bühne bzw. teilweise mit Jared Maceachern als Ergänzung. Das gibt der ganzen Show noch eine weitere Dimension, die sich sehr gut in das Gesamtkonzept einfügt.

Ausnahmezustand in Hamburg zum Ende
Die Pits wurden mit dem Verlauf des Sets immer größer und zum Schluss hatte sich die Band noch einmal die richtigen Kracher vorgenommen. From This Day und Davidian schlossen den Hauptteil der Show ab. Insbesondere bei Davidian wurde es nochmal richtig laut und immer wieder teilte die Band das Publikum, das das Moshpit durch die halbe Halle gehen ließ. Sänger Robb Flynn setzte sich zum Ende auch noch die ausgefallene Sonnenbrille von einem Fan aus der ersten Reihe auf. Die Band versteht es definitiv mit dem Publikum zu interagieren. Vor der Show gab es auch ein VIP Meet&Greet, das Fans sich als Upgrade kaufen konnten. Ich bin persönlich kein Fan dieser Upgrades, aber ich verstehe, warum Bands es machen und wenn es Fans auch für den Preis nutzen, hat es seine Daseinsberechtigung. In der Zugabe spielte die Band noch den Klassiker Halo und schickte bereits um 21:45 Uhr die Fans glücklich nach Hause. Es ist natürlich schade, dass man bei diesem Showkonzept keine neue Band in Form von Supports kennenlernt, aber die Band hat einfach eine zu umfangreiche und gute Diskopgraphie, um sie zu beschneiden. Daher bin ich durchaus Fan dieses Konzepts, in dem die Band fast 3 Stunden spielt.




























