Wenn Kanonenfieber die Bühne betreten, wird schnell klar: Das ist kein gewöhnliches Konzert – das ist ein immersives Gesamterlebnis. So war es auch beim Auftritt in Hamburg diese Woche, bei dem die Band einmal mehr bewies, warum sie aktuell zu den spannendsten Acts der deutschen Extrem-Metal-Szene zählt. Leider sind in der Inselpark Arena in Wilhelmsburg Pyrotechnik Effekte nicht erlaubt oder stark eingeschränkt. Daher musste die Band bei ihrer Show auf diese Elemente verzichten. Stattdessen gab es atmosphärische Dampffontänen und Lichteffekte sowie künstlichen Schnee, der von der Decke rieselte. Aber dazu mehr im Folgenden.
Düsterer Auftakt mit Mental Cruelty
Den Abend eröffnete die Deathcore Formation Mental Cruelty – und das mit voller Wucht. Die Band lieferte eine brachiale Performance ab, die das Publikum von der ersten Minute an in Bewegung brachte. Fotografisch war es eine Herausforderung, denn die Band setzte auf dunkle Szenen ohne viel Bühnenbeleuchtung. Gegen Ende des Sets wurde auch die Lichttechnik ausgefallener. Man merkte definitiv, wie verbunden die Band mit Kanonenfieber ist. Die Nutzung der Lichttechnik und des Bühnendesigns war dabei nur ein Teil. Beim letzten Song kam auch das gesamte Kanonenfieber-Team und die Band auf die Bühne. Das Hallenlicht wurde dafür ausgeschaltet und die Besucher*innen sollten ihre Feuerzeuge und Handylichter stattdessen einschalten, um die Halle und die Bühne zu beleuchten. Auch die Mitglieder von Kanonenfieber auf der Bühne standen mit gezückten Smartphones und angeschalteter Leuchte auf der Bühne und zelebrierten den Song zusammen mit Mental Cruelty.

Tiefe Growls, rasante Blastbeats und eine düstere Atmosphäre machten den Auftritt aus und brachten den Raum von Anfang an schnell auf Betriebstemperatur.
Mental Cruelty gelang es mühelos, die Menge auf das vorzubereiten, was noch kommen sollte. Ich kannte die Band bis zu diesem Abend nicht, aber live haben sie mich absolut überzeugt.
Fotos Mental Cruelty
Kanonenfieber: Mehr als nur Musik
Als schließlich Kanonenfieber die Bühne betraten, wurde es auf eine andere Art intensiver. Die Musik von Kanonenfieber ist auf andere Weise brutal, als die Deathcore-Beats ihres Support-Acts. In historische Uniformen gehüllt und begleitet von beklemmenden Soundkulissen, zwischen historischen Soundschnipseln und immersiven Bühnenbildern, schafft die Band eine Atmosphäre, die weit über ein klassisches Konzert hinausging. Es ist ein immersives Erlebnis.

Von der ersten Note an zog das Projekt das Publikum in seinen Bann. Den Anfang machten die Songs Die Feuertaufe, Dicke Bertha und The Yankee Division March. Das gesamte Konzert wirkte extrem gut choreografiert und das ist nicht negativ gemeint, sondern sehr positiv. Die beklemmende Stimmung des ersten Weltkriegs und die Songs über Angst und Schrecken in dieser Zeit erzeugen ein ganz eigenes Erlebnis. Die Kombination aus Black- und Death-Metal-Elementen, gepaart mit historischen Themen rund um den Ersten Weltkrieg, sorgte für eine beklemmende, aber faszinierende Stimmung.
Auch ohne die Pyrotechnikeffekte erzeugte die Band eine bemerkenswerte Atmosphäre. Die Dampffontänen, eine Dampfkanone, sowie künstlicher Schnee, der von der Decke rieselte erzeugten ein atmosphärisches Gesamtbild, das beeindruckend war. Dazu gab es immer wieder theatralische Einlagen, in denen Sänger Noise darstellte, wie er Kohle in einen Schiffsofen beförderte (bei Heizer Tenner) oder sich am warmen Feuer wärmt, während kalter Wintermonate .
Intensität, die unter die Haut geht
Was Kanonenfieber auszeichnet, ist die kompromisslose Hingabe zur eigenen Vision. Hier geht es nicht nur um Härte oder Geschwindigkeit, sondern um Atmosphäre, Authentizität und eine klare künstlerische Aussage. Das Publikum in Hamburg zeigte sich entsprechend beeindruckt. Einige waren auch in passender Verkleidung mit Pickelhaube oder anderen Kopfbedeckungen, bis zu kompletten historischen Uniformen, erschienen. Das wirkt hier nicht gestellt oder anrüchig, sondern passt ins Gesamtkonzept. Der Sound war druckvoll und klar, was gerade bei der dichten Instrumentierung essenziell ist. Selbst die Bassrhythmen machten telweise den Eindruck, als würden sie Kanonen imitieren. Und auch hier wurde die Verbindung mit dem Support von Mental Cruelty deutlich, als Sänger Lukas Nicolai zum Song Der Maulwurf mit einem Spaten in der Hand auf der Bühne erscheint und gemeinsam mit Noise sang.

Die Songs nimmt der anonyme Sänger mit dem Pseudonym Noise komplett alleine in seinem eigenen Studio auf. Während der Tour kommen Gastmusiker hinzu, die ihn unterstützen und das Gesamtbild ergänzen. Es ist ähnlich wie bei Ghost und seinen Nameless Ghouls, nur, dass die Figuren in diesem Fall auch Pseudonyme haben. Hans (Schlagzeug), Gunnar (Bass), Sickfried (Rhythmusgitarre) und Ernst (Leadgitarre) machen die Band zu dem Live-Erlebnis, das sie ist. Die Fans feierten jedes Lied und es waren zu meiner Überraschung viele weibliche Fans und auch generell jüngere Fans anwesend.
Im Mittelteil des Konzerts wurde auf der Bühne der Aufbau eines Kriegsschiffs simuliert und die maritimen Lieder mit diesem Setting performt. Es wirkte fast, wie ein historischer Anti-Kriegsfilm anstatt eines Konzerts. Bei der rasanten Entwicklung, die die Band aktuell nimmt, bin ich gespannt, wie ihre Entwicklung weitergeht.
Fotos Kanonenfieber
Setlist Kanonenfieber
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