Dritte Wahl waren im Rahmen ihrer „Doppelt hält besser“-Tour in Hamburg. Die legendäre Punkrock-Band aus Rostock hat an zwei Abenden die Markthalle ausverkauft. Am ersten Abend war ich selbst dabei und habe sie zum ersten Mal live gesehen. Es war definitiv an der Zeit. Die Band um Gitarrist Gunnar Schroeder hat in ihren 39 Jahren Bandgeschichte eine beachtliche Discographie aufgestellt. Da war es nur passend, dass sie an zwei Abenden unterschiedliche Setlists spielen, um einen angemessenen Anteil ihrer Songs für die Fans zu spielen. Der Altersdurchschnitt im Publikum war an diesem Abend etwas höher, aber es wirkte wie eine große Familie. Alle Anwesenden hatten eine ähnliche Einstellung und spätestens als die ersten Töne der Band erklangen startete ein Moshpit mit Jung und Alt.

SOAB eröffneten den Abend
Vor dem Hauptact durften die Jungs von SOAB, die ebenfalls aus Rostock kommen, die Bühne aufheizen. Mit druckvollem Deutsch-Alternative-Rock, gepaart mit Punk-Attitüde und spürbarer Live-Energie, sorgten sie gleich zu Beginn für ordentlich Stimmung. Seit ihrer Gründung 2009 haben SOAB sich als Support für große Acts und auf Festivalbühnen einen Namen gemacht. Ihre Mischung aus melodischen Hooks und roher Kraft war genau der richtige Einstieg für die volle Punk-Dröhnung des Abends. Der Sound klingt wie eine Mischung aus SDP, Donots und Engst. Highlight des Sets war ein Tribut der Band an den verstorbenen Limp Bizkit-Bassisten Sam Rivers. Zu seinen Ehren spielten sie den Limp Bizkit Song Take a Look around, zu dem die ganze Markthalle sprang.
Roh und kompromisslos – Eine Zeitreise durch fast 40 Jahre Bandgeschichte von Dritte Wahl
Dritte Wahl stiegen ohne lange Ansagen ein. Direkt nach dem Intro legte die Band mit Rausch und Ikarus krachend los. Die Fans sangen vom ersten Song an lauthals mit. Besonders Ikarus war auch für mich ein erstes Highlight mit dem kraftvollen Refrain. Im Mittelteil wurde es nostalgisch und politisch. Mit Konvoi des Todes folgte direkt ein schweres Geschütz aus den Neunzigern. Der Song ist politisch, düster und immer noch erschreckend aktuell. Schon früh im Set zeigte die Band, dass dieser Abend nicht nur ein Mitsing-Event, sondern auch ein Statement werden würde. Der Mittelteil des Sets fokussierte sich mehr auf die Songs aus den 90ern bis Anfang der 2000er. Im nächsten Block gingen Dritte Wahl tiefer in ihre eigene Geschichte. Militär, Mainzer Straße und So wie ihr seid zeigten, wie prägend die frühen Jahre der Band waren. Diese Songs sind kantig, politisch und besitzen den rohen Charme einer Zeit, in der Dritte Wahl sich mit harter, kompromissloser Haltung etablierten. Mit Gefühlt ist es noch kälter und Greif ein zogen sie eine Linie in die Gegenwart.
Das Mittelfeld des Sets war der musikalisch abwechslungsreichste Teil des Abends. Hier mischte die Band Hymnen und Melodie mit tieferen Themen. Das moderne und schnelle Geblitzdingst, zu dem auch die Bühnendeko mit zwei Blitzdings-Geräten, die als Beleuchtung dienten war der letzte Song des Mittelteils. Danach folgte der von Sänger Gunnar so genannte „maritime Teil“ des Abends mit SAS Beluga, Zur See und Sirenen.
Zum Ende des Hauptteils spielte die Band den Klassiker Zeit bleib stehen! Während die Band zum Ende des Songs die Bühne verließ, sang das Publikum den Refrain weiter, bis die Musiker zurückkehrten und den Song beendeten. Damit wurden auch die beiden Zugaben eingeleitet. Zuerst spielte die Band Sonne & Meer, Der Schatten und Fliegen. Zum Ende des Songs Fliegen sang das Publikum wieder weiter, während die Band erneut kurz von der Bühne verschwand und noch einmal zurückkam, um den Song zu beenden und die letzten drei Songs des Abends einzuleiten. Mit Alles nur Chemie, Auge um Auge und Kein Wort fand der Abend sein Ende.
Es war ein grandioser Abend mit einer legendären Band, die einen guten Mix aus ihrer kompletten Bandgeschichte gespielt hat und ich hoffe, dass ich bald wieder die Gelegenheit bekomme, Dritte Wahl live zu sehen.
Weitere Konzertberichte gibt es hier.


