Stray from the Path: Ein letzter Abriss zum Abschied

Review

Am 07.11.2025 waren Stray from the Path im Rahmen ihrer Abschiedstournee und mit dem neuen Album Clockworked in der Markthalle Hamburg zu Gast. Wer die Band schonmal live erlebt hat, weiß, dass diese Band kein Konzert spielt, sondern eine politische Abrissbirne mit Hardcore-Drive abliefert. Die Show in der Markthalle war genau das. Ich kann gar nicht sagen, wie ich es geschafft habe, diese Band vor 2025 noch nie live gesehen zu haben. Als sie angekündigt haben, dass sie nach 2025 aufhören wollen, war mir klar, dass ich die Band unbedingt live erleben musste. Die erste Chance ergab sich bei Rock im Park, als sie in der PSD Bank Arena Nürnberg zum Abschluss des zweiten Tages spielten. An dem Abend brachte die Band die Halle bereits zum Kochen. Zum zweiten Mal habe ich sie dann auf dem Vainstream Rockfest 2025 auf der Hauptbühne spielen sehen. Dort eröffneten sie den zweiten Tag. Bevor Stray from the Path nun an diesem Abend im November die Bühne übernahmen, stand noch ein starkes Vorprogramm mit Calva Louise, Graphic Nature und Alpha Wolf an.

Calva Louise

Calva Louise eröffneten den Abend mit einem Sound, der sich nicht so einfach einordnen lässt. Eine Mischung aus Alternative, Punk, Elektro-Einflüssen und schrägen Gitarrenlinien. Die Band zog das Publikum nicht sofort mit Wucht rein, sondern eher mit einer Art hypnotischer Präsenz. Sängerin Jess Allanic überzeugte besonders durch ihre Vocals, die zwischen melodischem Gesang und aggressiven Ausbrüchen wechselten. Ein unkonventioneller Start, der neugierig machte und zeigte, dass der Abend stilistisch nicht eindimensional werden würde.

Fotos Calva Louise

Graphic Nature

Graphic Nature brachten anschließend einen deutlich härteren Ton. Ihr Mix aus Nu Metal, Hardcore und Industrial-Vibes war derbe, aber traf auch direkt ins Schwarze. Die Band kam in dunkle Hoodies gekleidet auf die Bühne, das Licht und die Stimmung waren düster. Damit transportierten sie eine sehr passende Atmosphäre. Die Drops wirkten schwer, die Breakdowns präzise und die Vocals waren kompromisslos. Das Publikum reagierte zuerst zögerlich, fand dann aber schnell in die Bewegung – erste Moshpits öffneten sich in der Mitte. Das Set zeigte, wie frisch und aggressiv moderne UK-Hardcore-Varianten klingen können.

Fotos Graphic Nature

Alpha Wolf

Mit Alpha Wolf verschob sich der Abend endgültig in Richtung maximaler Härte. Die Australier lieferten ein Set, das zwischen kontrollierter Brutalität und völliger Eskalation pendelte. Kaum ein Song ohne Breakdown, kaum ein Moment ohne Bewegung im Pit. Die Band versteht es, Groove und Gewalt miteinander zu verbinden – und das Publikum dankte es mit einer Intensität, die das Venue einmal komplett umkrempelte. Sänger Lochie Keogh gab alles und auch der Rest der Band legte sich mächtig ins Zeug. Besonders die tighten, fast schon mechanisch anmutenden Riffs und die Vocals machten klar: Das hier war eines der Highlights des Abends und ein sehr guter Support für Stray from the Path. Auf der Setlist war passenderweise als letzter Eintrag unten auf der Seite „RIP STFP“ geschrieben. Sicherlich ein wertvolles Souvenir für Fans der beiden Bands, die eine Setlist nach dem Gig ergattern konnten.

Setlist Alpha Wolf

Alpha Wolf Setlist Markthalle, Hamburg, Germany 2025

Fotos Alpha Wolf

Stray from the Path

Als Stray from the Path schließlich auf die Bühne kamen, war die Energie bereits am Anschlag – und genau dort setzten sie an. Kaum die ersten Akkorde angespielt, war klar: Die Band ruht sich hier nicht aus, sondern liefert eine Show mit voller Energie. Frontmann Drew Dijorio füllte den Raum mit einer Mischung aus Charisma und Konfrontation, während Gitarrist Tom Williams mit seinen unverkennbaren, fast schon rap-rockigen Riffs den Sound vorgab. Die Setlist war geprägt von Songs vom neuen Album Clockworked. Das Set startete kraftvoll mit Kubrick Stare. Sänger Drew Dijorio rannte auf der Bühne hin und her und leitete seine Energie immer wieder in Sprünge und Kicks. Das transportierte sich auch ins Publikum. Die Security kam ordentlich ins Schwitzen, als immer mehr Crowdsurfer nach vorne strömten. Die Stimmung war am Kochen und das Publikum schrie jeden Song begeistert mit. Besonders bei Goodnight Alt-Right wurde es laut.

Eine Zugabe im klassischen Sinne gab es nicht. Die Band blieb auf der Bühne und Sänger Drew nutzte die Zeit, um einige Worte an das Publikum zu richten. Auch zwischen den Songs wandte er immer wieder gewichtige Aussagen an die Fans. Vor der Zugabe betonte er noch einmal, dass die Band sich selbst entschieden hat aufzuhören und niemand ihnen dabei reinreden kann. Doch natürlich hatten alle dafür Verständnis und machten deutlich, dass sie die Band vermissen wird. Der letzte Song war Fortune Teller, ein Klassiker der Band. Zum Abschluss wurde Don’t stop believing von Journey vom Band gespielt und die Band nahm sich viel Zeit, um sich von den Fans zu verabschieden. Besonders Craig Reynolds gab sich viel Mühe und schlug sogar noch zwei Extra-Drumsticks kurz auf das Drumkit, um diese als bespielt an Fans zu verschenken. Vorher hatte er bereits diverse Sticks verschenkt. Die letzte Setlist signierte er sogar auf der Bühne und warf diese als Papierflieger ins Publikum. Die Band wird definitiv vermisst werden und ich bin froh, sie dieses Jahr noch mehrfach live gesehen zu haben.

Setlist Stray from the Path

Stray From the Path Setlist Markthalle, Hamburg, Germany 2025

Fotos Stray from the Path

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